Er wollte sich nicht scheiden lassen: Mann nach Messerattacke auf Frau verurteilt

Hamburg - Wegen eines heimtückischen Messerangriffs auf seine Frau im Hamburger Stadtteil Winterhude muss ein 42-Jähriger für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Ein Mann steht mit einem Messer in der Hand in der Dunkelheit. (Symbolbild)
Ein Mann steht mit einem Messer in der Hand in der Dunkelheit. (Symbolbild)  © 123RF

Das Landgericht Hamburg sprach den Deutschen am Mittwoch des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu sechs Jahren und neun Monaten Haft.

Der Angeklagte hatte gestanden, seine ebenfalls 42 Jahre alte Frau am 24. November vergangenen Jahres am Leinpfad überfallen zu haben.

Die Mitarbeiterin einer Security-Firma hatte auf einer Baustelle gearbeitet und am frühen Morgen auf ihren Mann gewartet, der sie angeblich mit dem Auto abholen wollte.

Doch er näherte sich maskiert und mit einem Messer bewaffnet. Er griff sie unvermittelt von hinten an und verletzte sie schwer.

Nach Überzeugung des Gerichts lag das Motiv für die Tat in der Absicht der Frau, sich scheiden zu lassen.

In der Ehe hatte es seit der Geburt eines gemeinsamen Kindes im Jahr 2009 gekriselt. Mit der Erziehung des schwierigen Jungen seien die Eltern überfordert gewesen, sagte die Vorsitzende der Strafkammer, Jessica Koerner. Die Frau begann eine Affäre mit einem anderen Mann.

Als sie im August 2018 eine Nacht einfach wegblieb und sich nicht um ihre beiden Söhne kümmerte, schöpfte der Angeklagte Verdacht. Bei dem folgenden Streit räumte sie die Beziehung ein.

Der Prozess fand vor dem Hamburger Landgericht statt.
Der Prozess fand vor dem Hamburger Landgericht statt.  © DPA

Der Ehemann, der den Liebhaber von seiner nebenberuflichen Tätigkeit bei einem Sicherheitsdienst kannte, stellte den anderen Mann zur Rede. Es sei nur ein kleiner Flirt gewesen, der schon beendet sei, sagte dieser.

Der Angeklagte versuchte daraufhin, seine Ehe mit Liebeserklärungen und Geschenken zu retten. Knapp eine Woche vor der Tat fuhr der Elektriker mit seiner Frau zu ihrer neuen Einsatzstelle am Leinpfad, weil sie den Weg an der Alster kennen lernen wollte.

Anschließend besuchten sie auf seinen Vorschlag hin den Dom. Auf dem Jahrmarkt kaufte sie ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift: "Ich hab dich lieb, mein Schatz".

Er bezahlte, während der Sohn ausplauderte: "Das ist für Mamas neuen Freund!" Es sei an Taktlosigkeit nicht zu überbieten, sich vom Ehemann ein Herz für einen anderen Mann bezahlen zu lassen, sagte die Richterin.

Trotz der Trennungsabsicht wohnte der Ehemann weiterhin in der gemeinsamen Wohnung und schlief sogar im Ehebett - mit Duldung seiner Frau. Am Abend vor der Tat bot er der 42-Jährigen an, sie zur Arbeit zu fahren. Sie nahm an, bekräftigte aber wenig später ihre Absicht, sich scheiden zu lassen. Das habe den Angeklagten in tiefe Verzweiflung gestürzt, sagte Koerner.

Paragrafen-Symbole prangen an Türgriffen am Eingang eines deutschen Landgerichts. (Symbolbild)
Paragrafen-Symbole prangen an Türgriffen am Eingang eines deutschen Landgerichts. (Symbolbild)  © DPA

Auf einen Schlag habe sich bewahrheitet, dass sie ihn die ganze Zeit hintergangen habe. Er habe die Nacht nicht schlafen können. Schließlich habe er Tarnkleidung zusammengepackt, ein Brotmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge aus der Küche geholt und sei zum Leinpfad gefahren.

Maskiert sei er an dem dunklen und sehr kalten Morgen auf die wartende Frau von hinten zugelaufen. Sie glaubte, im Augenwinkel einen Jogger wahrgenommen zu haben. Dann umklammerte er ihren Oberkörper und versuchte ihr das Messer in den Hals zu stechen. Die heftige Gegenwehr der Frau überraschte ihn. Die Klinge brach ab.

Mit dem abgebrochenen Messer stach er ihr mehrfach in den Rücken. Nur aufgrund der dicken Kleidung sei es zu keinen tödlichen Verletzungen gekommen, erklärte die Richterin.

Nachdem er ihren Kopf mehrmals kräftig auf das Pflaster geschlagen hatte, flüchtete der Angeklagte. Doch nach dem Entsorgen der Tarnkleidung und der Messerbruchstücke kehrte er zurück - als scheinbar besorgter Ehemann.

Die von einem Passanten alarmierte Polizei schöpfte schnell Verdacht. Wenige Stunden später nahm sie ihn fest, als er ihr Kleidung ins Krankenhaus bringen wollte.

Der Angeklagte nahm das Urteil mit gesenktem Kopf hin. Auch seine Frau wirkte als Nebenklägerin betroffen, nach dem Urteil aber erleichtert. Mit dem Strafmaß sei ihre Mandantin nicht zufrieden, sagte Anwältin Claudia Krüger. Verteidiger Sascha Böttner erklärte, er werde mit dem Mandanten besprechen, ob Revision eingelegt wird.

Die Richterin riet dem Angeklagten, das Urteil anzunehmen. Er sei kein Schwerkrimineller und könne bei guter Führung vorzeitig freikommen.

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