Ehemaliger KZ-Wachmann: "Konnte mich den Befehlen nicht entziehen"

Hamburg – Mit energischen Fragen hat die Vorsitzende Richterin im Hamburger Stutthof-Prozess am Montag den Angeklagten unter Druck gesetzt.

Der 93 Jahre alte Angeklagte und sein Anwalt Stefan Waterkamp (r) warten auf die Fortsetzung des Prozesses.
Der 93 Jahre alte Angeklagte und sein Anwalt Stefan Waterkamp (r) warten auf die Fortsetzung des Prozesses.  © Axel Heimken/dpa

Mehrfach wollte Richterin Anne Maier-Göring von dem ehemaligen KZ-Wachmann wissen, warum er sich dem Dienst in dem Lager bei Danzig 1944/45 nicht entzogen habe.

"Ich konnte mich den Befehlen, die dort gegeben wurden, nicht entziehen, ohne mich in Lebensgefahr zu bringen", antwortete der 93-Jährige. Die Gefangenen, besonders die Juden, hätten ihm Leid getan, beteuerte er. Aber er habe ihnen nicht helfen können.

Die Richterin ließ das nicht gelten. Es seien damals Millionen unschuldige Menschen umgebracht worden, nach Gutachten von Historikern aber kein einziger SS-Mann, weil er sich einem verbrecherischen Befehl widersetzte. "Ich sehe keine Schuld bei mir, ich habe niemandem ein Leid angetan", bekräftigte der Angeklagte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 93-Jährigen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vor. Als SS-Wachmann soll er zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Häftlingen zu verhindern.

Der Prozess findet vor einer Jugendkammer statt, weil der Beschuldigte zur Tatzeit erst 17 bis 18 Jahre alt war.

Der Fall wird vor der Jugendstrafkammer verhandelt.
Der Fall wird vor der Jugendstrafkammer verhandelt.  © Axel Heimken/dpa

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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