Jetzt wird es teuer! Städte gehen gegen Umweltsünder vor

Hamburg/Hannover - In einigen Teilen der Welt sind sie teilweise sogar verboten, in Deutschland sorgen ausgespuckte Kaugummis vor allem Fußgänger für Ärger.

Zigarettenstummel wurden einfach auf die Straße geworfen.
Zigarettenstummel wurden einfach auf die Straße geworfen.  © DPA

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Wer zukünftig sein Kaugummi lässig auf dem Gehweg ausspucken oder seine Zigarette wegschnipsen will, könnte demnächst zur Kasse gebeten werden.

In Hamburg sind dafür sogenannte Waste-Watcher unterwegs. Innerhalb nur eines Jahres haben sie 6000 Verwarn- und Bußgelder wegen illegaler Müllablagerung verhängt.

Davon habe sich die Hälfte gegen Raucher gerichtet, die ihre Kippen einfach auf die Straße oder in die Natur geschnippt hätten, sagte Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung.

Seit Anfang des Jahres werden die "Deliquenten" dafür mit 20 Euro bestraft, gleiches gilt für das Ausspucken eines Kaugummis auf den Gehweg. Im Vergleich: Ein nicht entfernter Hundehaufen kostet den Besitzer 40 Euro.

In Niedersachsen sieht der Strafenkatalog ähnlich aus. Für das achtlose Wegwerfen der Kippe oder das Ausspucken des Kaugummis muss mit einem Bußgeld zwischen zehn und 50 Euro gerechnet werden. In Bremen liegt das Verwarngeld für das Beißerchen bei 35 Euro, für die Zigarette bei 20 Euro.

Die Städte haben sich dabei Baden-Württemberg und die Stadt Mannheim als Vorbild genommen. Seit dem 8. April werden die "Deliquenten" dort mit 100 Euro zur Kasse gebeten.

Ein Fußgänger ist in ein ausgespucktes Kaugummi gelatscht.
Ein Fußgänger ist in ein ausgespucktes Kaugummi gelatscht.  © DPA

In Mannheim wurde die Erhöhung des Bußgeldes im Zuge einer Landesrahmenrichtlinie vom 1. Dezember 2018 möglich und kurz nach der 30 Millionen Euro teuren Sanierung der Einkaufsmeile mit dem Namen Planken umgesetzt. "Wir wollen nicht das Stadtsäckel füllen, sondern die Planken möglichst lange schön und sauber halten", sagte Stadtsprecherin Désirée Leisner.

Damit es auch effektiv wird, kontrolliert der städtische Ordnungsdienst in Zivil. Bei vorsätzlichen Wiederholungstaten kann das Bußgeld sogar auf bis zu 250 Euro erhöht werden.

In Hamburg weiß die Stadtreinigung um das Problem für die Umwelt mit Kippen und Kaugummis. Zigarettenfilter enthielten Nikotin und viele andere Gifte. Es dauere fast zehn Jahre, bis sie sich in der Natur abbauten.

Kaugummis machten Flecken auf dem Pflaster. Vor jedem Hamburger Kino könne man 150 bis 200 solcher Flecken pro Quadratmeter finden, sagte Fiedler. Viele Menschen hielten die Flecken für eine Musterung im Pflaster.

Die Waste-Watcher seien geschult und arbeiteten nicht nur mit Strafen. "Erwischt zu werden ist den meisten Rauchern ungeheuer peinlich", sagte der Sprecher. Die Müllwächter verschenkten auch mal einen Taschenaschenbecher.

Nach Angaben der Stadtreinigung landen zwei Drittel aller Kippen in Deutschland in der Umwelt. Das seien mehr als 137 Millionen Zigarettenstummel pro Tag.


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