Offener Brief von NDR-Journalist an Merkel: "Dieser Staat steht vor einem Scheideweg"

Hamburg - Moderator, Journalist, Künstler und Literat Michel Abdollahi (37) bohrt normalerweise bei seinen Gästen in der Show beim NDR nach (TAG24 berichtete)... Diesmal schreibt er einen bewegenden offenen Brief an die Kanzlerin. Dieser ist noch keinen Tag alt, aber wurde bereits unzählige Male auf Facebook geteilt und meist positiv kommentiert.

Moderator Michel Abdollahi (37).
Moderator Michel Abdollahi (37).  © DPA

"Verehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Bundesregierung, ich bin in großer Sorge um das Land und die Bevölkerung. Die Stimmung auf der Straße wird zunehmend bedrohlicher."

Abdollahi bewegt, dass ihn Nachrichten erreichen, "von Menschen, die in Deutschland aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer Herkunft herabwürdigend behandelt werden". Weiter heißt es:

"Frau Bundeskanzlerin, mir schreiben Menschen, die auf der Straße beleidigt werden, weil sie eine andere Hautfarbe haben, ich lese von Moscheen und Synagogen, die beschmiert, von Friedhöfen die geschändet werden, mir schreiben Menschen, die bei Behörden schikaniert werden, Menschen die Angst haben, in was für einem Deutschland ihre Kinder aufwachsen werden."

Er zählt auf, was ihm politisch in Deutschland auffiel die vergangenen Tage:

Michel Abdollahi: "Ich möchte nicht ein zweites Mal meine Heimat verlieren."

Über 2750 Mal geteilt und über 4000 Mal kommentiert - der offene Brief nach nicht einmal 24 Stunden.
Über 2750 Mal geteilt und über 4000 Mal kommentiert - der offene Brief nach nicht einmal 24 Stunden.

"Seit den Ereignissen der letzten Zeit, seit der Enthemmung von Teilen der Bevölkerung, seitdem öffentlich „Absaufen! Absaufen!“ skandiert wird, LKA-Mitarbeiter bei Pegida mitlaufen, KSK-Einheiten der Bundeswehr den Hitlergruß zeigen, Journalisten durch die Polizei an ihrer Arbeit gehindert werden, der Präsident des Verfassungsschutzes sich zu Verschwörungstheorien hinreißen lässt und der Bundesinnenminister die Migration als Problem bezeichnet, ist es nicht verwunderlich, wenn Menschen mit Migrationshintergrund auch in ihrem Alltag diese Erfahrungen machen."

In seinem Brief geht der Moderator auf viele Umstände ein, die ihn - und mit Sicherheit sehr viele bewegen. Auslöser scheinen für ihn die jüngsten "Chemnitzer" Ereignisse zu sein.

Seehofer nennt "Migranten die Mutter aller Probleme und schlage damit 19,7 Millionen Bürger*innen, "deren Eltern mal aus einem anderen Land hierher gekommen sind, ins Gesicht"...

"Die überwältigende Mehrheit der Migranten lehne jede Form von Extremismus ab. Jeder Anschlag, jedes Verbrechen, jede noch so kleine Straftat, die von einem Migranten begangen wurde, macht mich unendlich wütend.

Ich bete bei jeder Meldung darum, dass es kein Ausländer ist, damit der Hass sich am nächsten Tag nicht wieder gegen uns richtet", schreibt er weiter in seinem bewegenden Brief. "Dieses Land wurde gespalten und zwar nicht nur von blau-braunen Unruhestiftern, sondern mittlerweile von der Regierung, vom Bundesinnenminister, vom Chef des Verfassungsschutzes, von so vielen, die nicht spalten sollten."

Den ganzen Brief, in dem noch unzählige weitere Aspekte geschildert werden, findet Ihr >> hier auf Facebook.


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