Journalisten bei Assange-Besuch ausgespäht? Anzeige erstattet!

Hamburg – Nach Besuchen von Journalisten des Norddeutschen Rundfunks (NDR) bei Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London hat der Sender Anzeige gegen ein Sicherheitsunternehmen gestellt.

WikiLeaks-Gründer Julian Assange kommt am Westminster-Amtsgericht in London an
WikiLeaks-Gründer Julian Assange kommt am Westminster-Amtsgericht in London an  © Victoria Jones/PA Wire/dpa

"Der NDR geht davon aus, dass seine Mitarbeiter ausgespäht wurden und so ihre Persönlichkeitsrechte und auch das Redaktionsgeheimnis verletzt wurden", teilte der Sender mit. Das Ausmaß sei noch nicht bekannt.

Der NDR beruft sich auf Dokumente und Videoaufnahmen, die nach eigenen Angaben dem Sender sowie dem WDR vorliegen.

Betroffen von der Überwachung seien demnach neben Ärzten und Anwälten von Assange offenbar auch deutsche Journalisten, darunter drei NDR-Mitarbeiter.

Die Besuche der Journalisten bei Assange in London waren demnach zwischen 2012 und Ende 2017.

Die Anzeige wegen des Verstoßes gegen datenschutz- und persönlichkeitsrechtliche Bestimmungen richte sich gegen ein spanisches Unternehmen und ging am Donnerstag an den nationalen Gerichtshof in Madrid.

USA fordern Auslieferung von Julian Assange

Der NDR hat Anzeige erstattet.
Der NDR hat Anzeige erstattet.  © Ole Spata/dpa

Assange ist der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks. Die USA fordern seine Auslieferung.

US-Ankläger werfen ihm vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, an geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu gelangen. Derzeit sitzt Assange in einem Gefängnis in Großbritannien, davor war ihm das Asyl in der ecuadorianischen Botschaft nach mehreren Jahren entzogen worden.

Bereits im April hatte die Enthüllungsplattform Wikileaks Ecuador vorgeworfen, eine rechtswidrige Totalüberwachung von Assange in der Botschaft gestartet zu haben. Man sei auf die Überwachung aufmerksam geworden, nachdem jemand in Spanien versucht habe, Videos und Fotos von Assange zu verkaufen.

Titelfoto: Victoria Jones/PA Wire/dpa

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