Ex-CSU-Chef Stoiber bei Beckmann: So kippte 2002 die Wahl

Hamburg - 2002 kämpfen sie um das Amt des Bundeskanzlers. Knapp 6000 Zweitstimmen entschieden damals das Duell zwischen Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU).

Reinhold Beckmann (von links nach rechts) empfing die ehemaligen Politiker Edmund Stoiber und Gerhard Schröder.
Reinhold Beckmann (von links nach rechts) empfing die ehemaligen Politiker Edmund Stoiber und Gerhard Schröder.  © NDR/Morris Mac Matzen

In der NDR-Talk-Show "Beckmann trifft..." sprachen die beiden Ex-Politiker mit Moderator Reinhold Beckmann über das dramatische Kopf-an-Kopf-Rennen an jedem 22. September 2002.

"Meine Erinnerung daran ist noch sehr klar", sagte Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Stoiber.

Der heute 77-Jährige trat gemeinsam mit Konkurrent Schröder bei der TV-Wahldebatte "Berliner Runde" auf. Aus seiner Sicht der Altbundeskanzler hinter den Kulissen noch "in einer gewissen resignativen Phase" gewesen.

"Er sagte zu mir: 'Jetzt können Sie mal zeigen, ob sie das können, was Sie immer behaupten!", erzählte Stoiber.

Doch während der Sendung habe sich Schröder verändert. "Ich merkte, dass er Informationen bekam, denn sein Rücken wurde plötzlich straffer. Er bekam wieder Körperspannung und zeigte deutliche Hoffnung", sagte der Ex-CDU-Politiker.

Schröder habe während der Debatte erfahren, dass er doch wieder gute Chancen habe und die Fortsetzung der Rot-Grün-Regierung möglich sei. "Wenn Sie von einer knappen Niederlage zu einem knappen Sieg eilen, dann werden Sie natürlich gelassener. Wie ich das mitbekommen habe, weiß ich auch nicht", berichtete Stoiber.

Letztlich fehlten dem Bayer und den Unionsparteien nur rund 6000 Zweitstimmen auf die SPD. Ärger verspürte Stoiber über seine damalige Niederlage um die Kanzlerschaft nicht.

"Das ist die falsche Beschreibung. Man nimmt das zur Kenntnis. Das ist eine neue Herausforderung", sagte er knapp 17 Jahre später.

Edmund Stoiber verlor 2002 den Kampf um das Bundeskanzler-Amt nur äußerst knapp gegen Gerhard Schröder.
Edmund Stoiber verlor 2002 den Kampf um das Bundeskanzler-Amt nur äußerst knapp gegen Gerhard Schröder.  © NDR/Morris Mac Matzen

Heute sind die Kontrahenten von einst Freunde. Das sei natürlich leichter, wenn man nicht mehr in die politische Auseinandersetzung eingebunden ist, sagten beide.

Auf die Frage von Moderator Reinhold Beckmann, was ihre größte politische Lebensleistung gewesen sei, antworteten beide recht unterschiedlich. Altbundeskanzler Schröder: "Die Nichtbeteiligung am Irak-Krieg und die Agenda 2010". Stoiber: "Laptop und Lederhose. Innovationsschub für Bayern in hohem Maße."

Für seine kriselnden Ex-Genossen hat Schröder folgenden Rat: "Die SPD ist noch Volkspartei. Und sie sollte auch bei dem Anspruch bleiben, das stärker wieder zu werden", sagt der 75-Jährige. Wenn die Politik an den Rändern weiter "zerfasere", gehe "ein Stück politischer Stabilität verloren".

Die SPD sieht Schröder in der Zwickmühle zwischen politischer Wirklichkeit und dem eigenen Anspruch. "Was erreicht wurde an sozialem Fortschritt, reicht nicht aus – weil man sich eine noch bessere Welt vorstellen kann."

Gerhard Schröder hat für seine ehemalige Partie, die SPD, einige Ratschläge.
Gerhard Schröder hat für seine ehemalige Partie, die SPD, einige Ratschläge.  © NDR/Morris Mac Matzen

Aufgrund dieser sozialdemokratischen Haltung sei "man vielleicht auch Mitglied geworden", so der bislang letzte SPD-Kanzler. "Aber das führt dazu, dass Wähler und Wählerinnen sagen: Wenn die so wenig zufrieden sind mit dem, was sie selber geschaffen haben, warum sollen wir die dann wählen?".

Doch nicht nur die beiden Ex-Politiker kamen in der Sendung zu Wort, sondern auch Schröders Frau, die gebürtige Koreanerin Soyeon Schröder-Kim, seit Mai 2018 mit dem Altbundeskanzler verheiratet.

Ein Zufall: Sie kennt Edmund Stoiber schon länger, denn als Dolmetscherin übersetzte sie 2003 in Seoul eine Rede des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten. "Er hat eine sehr dolmetscherfreundliche Rede gehalten", so Schröder-Kim. "Sehr deutlich und nicht aufgeregt".

Gemeinsam war sie zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Mann in einer Fernsehsendung. Bei Beckmann plauderte sie über das Golfen zu zweit. "Was soll Gerhard Schröder ohne Herausforderungen? Er liebt Herausforderungen!", sagte sie.

An ihrem Mann schätzt Schröder-Kim die Klarheit. "Er ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt und gerade zu seinem Wort steht, sowohl im Beruf als auch privat."

Der Altbundeskanzler lernt gerade übrigens koreanisch, vor allem für den Hausgebrauch. Er möchte gern seine Schwiegermutter auf koreanisch um einen Kaffee bitten können, sagte Gerhard Schröder.

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