Hamburger Kältebus fährt tausende Kilometer, um Obdachlosen zu helfen

Hamburg - Sie hatten nur eine Aufgabe: Obdachlose vor dem Erfrieren retten! Zum ersten Mal ist der Hamburger Kältebus Abend für Abend vollgepackt durch die Straßen der Hansestadt gefahren.

Der Kältebus steht vor einer Unterkunft.
Der Kältebus steht vor einer Unterkunft.  © DPA

Möglich gemacht hat es das Hamburger Hilfsprojekt Alimaus. Mehr als 40 Ehrenamtliche sind dafür jeden Abend bis Mitternacht durch ganz Hamburg gefahren und haben Menschen ohne Dach über dem Kopf gesucht und zu einer Winternotunterkunft gefahren - wenn sie den Weg aus eigener Kraft nicht mehr geschafft hätten.

Kurz vor Abschluss der ersten Kältebus-Saison zieht Projektleiterin Christiane Hartkopf eine positive Bilanz: Rund 180 Mal haben die Helfer Obdachlose in eine schützende Unterkunft gefahren. Noch viel häufiger haben sie mit Kakao, warmen Socken und Decken ausgeholfen. "Sie haben bis Ende März fast 400 Schlafsäcke und mehr als 250 Isomatten an die Obdachlosen verteilt", sagt Hartkopf.

In den nicht einmal 100 Tagen der ersten Kältebus-Saison habe das Team fast 6000 Kilometer zurückgelegt und mehr als 1550 Stunden geleistet.

Im vergangenen Jahr wurden im Winter mehr als 1900 auf der Straße lebende Obdachlose gezählt, wie aus einer Studie der Sozialbehörde hervorgeht. Das seien fast 900 mehr als noch vor zehn Jahren. Tatsächlich dürften es sogar noch mehr sein.

Die freiwilligen Helfer helfen Menschen mit Rollstuhl, die auf der Straße leben, in den Kältebus.
Die freiwilligen Helfer helfen Menschen mit Rollstuhl, die auf der Straße leben, in den Kältebus.  © DPA

Nach Polizeiangaben hat es in diesem Winter in Hamburg offiziell keine Kältetoten gegeben. Dem Straßenmagazin "Hinz und Kunzt" zufolge sind in diesem Winter in der Hansestadt allerdings mindestens sechs Obdachlose auf der Straße gestorben - oft wegen eines Zusammenspiels aus Kälte und Alkohol oder Vorerkrankungen.

Hier soll der Kältebus weitere Tote verhindern. Üblicherweise wird das Team des Kältebusses von Passanten, Anwohnern, öffentlichen Stellen, Rettungsdiensten, der Polizei oder Mitarbeitern der S-Bahnhöfe angerufen. Es gebe oft die Situation, dass Obdachlose zwar hilflos wirkten, aber nicht in die Zuständigkeit von Polizei oder Rettungsdienst fielen.

"Dann sind wir eine Stelle, die diese Lücke füllen kann. Das bisherige Fazit ist deshalb: Wir haben gesehen, wie sinnvoll, richtig und wichtig dieser Bus ist", sagt Hartkopf.

Zudem habe sich in den vergangenen Monaten eine wertvolle Zusammenarbeit mit der Bahnhofsmission und dem Mitternachtsbus der Diakonie ergeben. Der Mitternachtsbus konzentriert sich im Gegensatz zum Kältebus auf die Versorgung der Obdachlosen und fährt eine feste Route. Der Kältebus ist als ein Teil der bestehenden Hilfsprogramme angenommen worden.

Ein Obdachloser geht mit einer neuen Wolldecke und einem Tee über die Straße.
Ein Obdachloser geht mit einer neuen Wolldecke und einem Tee über die Straße.  © DPA

"Ich glaube, dass es eine sehr gute Ergänzung ist (...) zu einem bestehenden System", sagt Stephan Karrenbauer vom Straßenmagazin "Hinz und Kunzt". Endlich könnten besorgte Hamburger jemanden anrufen - ohne gleich die Feuerwehr verständigen zu müssen.

Gleichzeitig aber offenbart die Arbeit des Kältebusses auch eine Schwäche im System. "Es gibt Obdachlose, die nicht mehr krank genug für das Krankenhaus, aber noch zu krank für die Straße sind. Und es ist sehr schwer, so jemanden irgendwo unterzubringen", sagt Hartkopf.

So gebe es in einer der beiden städtischen Winternotunterkünfte gar keinen medizischen Bereich und in einer zweiten nur ein mobiles Angebot an zwei oder drei Tagen. Und die einzige ganzjährige Obdachlosenunterkunft mit Krankenstation sei nicht behindertengerecht.

Jetzt, wo das Winternotprogramm beendet und der Kältebus noch unterwegs ist, fehle eine Anlaufstelle für mobil eingeschränkte, kranke Obdachlose. "Das ist eklatant", sagt Hartkopf. "Denn es gibt eine ganze Menge, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind."

Noch bis Sonntag wird der ausschließlich durch Spenden finanzierte Kältebus in Hamburg unterwegs sein. Und die zweite Saison ist schon gesichert, sagt Hartkopf: "Es ist bereits entschieden, dass wir ab dem 1. November wieder unterwegs sind."

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