Hamburgs Bürgermeister plant kostenlosen Nahverkehr für Schüler

Hamburg - Das wäre mal ein Versprechen! Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will, dass Hamburgs Schüler künftig Busse und Bahnen zum Nulltarif nutzen können.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hat große Pläne.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hat große Pläne.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Gruppe der Schüler sei die einzige, die über gar kein Einkommen verfüge, sagte er am Freitagabend beim Landesparteitag der SPD im Bürgerhaus Wilhelmsburg.

Deshalb wünsche er sich für das Wahlprogramm zur Bürgerschaftswahl im Februar, "dass wir uns vornehmen, in der nächsten Legislatur schrittweise den öffentlichen Nahverkehr, unseren HVV, für Schülerinnen und Schüler vollständig kostenfrei zu machen".

Wenn man die Pläne, auch Auszubildenden ein vergünstigtes HVV-Ticket anzubieten wie den Studenten, weiterdenke, sei der Nulltarif für Schüler nur konsequent und entspreche auch der Denkart der SPD, "wirklich eine familienfreundliche Stadt zu sein", sagte Tschentscher. "Wenn wir das schrittweise machen über die ganze Legislatur, dann schaffen wir das."

Tschentscher kündigt weiteren Wohnungsbau an

Zwei Bahnen fahren aneinander vorbei.
Zwei Bahnen fahren aneinander vorbei.  © Angelika Warmuth/dpa

Laut Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) würde die Einführung eines kostenlosen Schülertickets in der Endstufe, also am Ende der kommenden Legislatur 2025, etwa 50 Millionen Euro im Jahr kosten.

Denkbar sei eine nach Altersgruppen gestaffelte Einführung des kostenlosen Schüler-Tickets, wobei mit den jüngsten Schülern begonnen werden sollte, sagte er.

Tschentscher kündigte an, dass auch künftig jährlich 10.000 neue Wohnungen in Hamburg gebaut werden sollen, davon 3000 Sozialwohnungen. Er verwies darauf, dass der Mietanstieg bei Neuvermietungen von Bestandswohnungen in Hamburg im vergangenen Jahr 1,3 Prozent betrage.

In Deutschland seien es im Durchschnitt vier Prozent, in Berlin sogar sechs Prozent. "Und das zeigt, dass der Wohnungsbau wirkt und das wir auf dem Weg zu günstigen Mieten weiter vorankommen, wenn wir diesen Weg fortsetzen", sagte Tschentscher.

Update, 15.58 Uhr: Kritik von Grünen und CDU

Der Vorschlag fand bei den Grünen und Anjes Tjark wenig Zustimmung.
Der Vorschlag fand bei den Grünen und Anjes Tjark wenig Zustimmung.  © Daniel Reinhardt/dpa

Der Vorschlag von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), in der nächsten Legislatur schrittweise einen kostenlosen Nahverkehr für Schüler anzubieten, ist bei den Grünen und der CDU auf Kritik gestoßen. Der Vorsitzende der Grünen Bürgerschaftsfraktion, Anjes Tjarks, sagte , der Vorschlag sei nicht zielführend.

Bei Tarifüberlegungen müsse das Familieneinkommen maßgebend sein."Dabei sollte man berücksichtigen, dass Menschen mit mittlerem bis geringem Einkommen viel stärker auf Busse und Bahnen angewiesen sind und sie auch tatsächlich häufiger nutzen", sagte er.

Zudem würden mit den Schülern gerade die auf umsonst gestellt, die mit 30 Prozent den mit Abstand höchsten Radverkehrsanteil von allen Personengruppen haben. Schüler würden meist kurze Wege fahren, die mit dem Fahrrad schneller und bequemer zurückzulegen sind.

"Mit der Kostenfreiheit für sie wird also in der Tendenz nicht der Umstieg vom Auto in den Bus, sondern vom Rad in den Bus gefördert." Tjarks kündigte für den Herbst einen eigenen Vorschlag zur Weiterentwicklung des HVV-Preissystems an.

Für den verkehrspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Thering, ist Tschentschers Vorschlag ein "durchschaubares Wahlkampfmanöver". Die Entlastung dürfe es nicht erst in fünf Jahren geben. Zudem müssten andere Gruppen wie Praktikanten, Familien oder Senioren im öffentlichen Nahverkehr finanziell entlastet werden.

Tschentscher hatte am Freitag beim SPD-Landesparteitag gesagt, dass Schüler die einzige Gruppe seien, die über kein Einkommen verfüge. Der kostenfreie Nahverkehr für sie entspreche dem Willen der SPD, "wirklich eine familienfreundliche Stadt zu sein".

Die SPD ging bei der Einführung des kostenlosen Schülertickets in der Endstufe, also am Ende der kommenden Legislatur 2025, von jährlichen Kosten von etwa 50 Millionen Euro im Jahr aus.

Titelfoto: Bildmontage: Angelika Warmuth/dpa, Daniel Bockwold

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