Immer mehr Osteuropäer landen auf Hamburgs Straßen

Hamburg - Das "Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot" hat die Politik aufgefordert, das Winternotprogramm wieder für alle obdachlosen Menschen zu öffnen.

In einer Winternotunterkunft werden die Betten für die Obdachlosen bezogen.
In einer Winternotunterkunft werden die Betten für die Obdachlosen bezogen.  © DPA

"Es war deutlich sichtbar, dass in diesem Winter mehr Menschen draußen geschlafen haben", sagte Bettina Reuter vom Verein Ambulante Hilfe Hamburg.

Viele von ihnen kämen aus Osteuropa und hätten keinen Zugang mehr zum Winternotprogramm, weil sie seit dem Winter 2017/18 ihren Ausweis vorzeigen müssten.

"Steht im Pass eine Heimatadresse, werden Bulgaren und Rumänen wieder nach Hause geschickt", kritisierte Reuters. Sie dürften sich nur zwei bis drei Tage im Winternotprogramm oder in einer Wärmestube aufhalten.

Das Hamburger Winternotprogramm endet am 31. März. Dabei standen insgesamt 760 zusätzliche Übernachtungsplätze für obdachlose Menschen zur Verfügung. Nach Angaben der Sozialbehörde gab es jede Nacht freie Plätze.

Die Unterbringung erfolgte überwiegend in Vier-Bett-Zimmern, die je nach Nachfrage gleichmäßig gefüllt wurden - so waren die wenigsten Zimmer tatsächlich auch voll belegt.

Obdachlose haben ihr Quartier unter einer Brücke geschlagen.
Obdachlose haben ihr Quartier unter einer Brücke geschlagen.  © DPA

Nach einer Befragung im Auftrag der Stadt leben rund 2000 Obdachlose in Hamburg - im Jahr 2009 waren es noch rund 1000 Menschen ohne festen Wohnsitz gewesen. Rund zwei Drittel von ihnen hat einen ausländischen Pass, die meisten kommen aus Osteuropa sowie Ländern des Baltikums und des Balkans. Nur ein Drittel von ihnen hat einen deutschen Pass.

"Die Studie zeigt auf, dass der Anteil Obdachloser deutscher Nationalität zurückgeht", sagte Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde.

Es seien zu einem hohen Anteil zugewanderte Menschen aus osteuropäischen (EU-)Staaten, die hier auf der Straße landeten. Die Sozialbehörde habe deshalb das Projekt "Visite Sozial" gestartet, das gemeinsam mit dem Caritas-Krankenmobil gezielt diese Gruppe anspreche.

Insgesamt vier Straßensozialarbeiter sollen das Krankenmobil auf seinen Touren begleiten. "Ziel ist eine Erweiterung der Beratungsmöglichkeiten direkt vor Ort und eine noch bessere Vermittlung in geeignete Anschlusshilfen für obdachlose Menschen, insbesondere auch für EU-Zugewanderte", sagte Helfrich.

Am 3. April will Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) den Helfern des Winternotprogramms bei einem Senatsempfang danken. Die offizielle Auswertung des Winternotprogramms soll am 16. April im Rahmen der Landespressekonferenz vorgestellt werden.

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