Nach Fahrunglück: Hätte der Container-Riese gar nicht ablegen dürfen?

Hamburg - Am Samstag kollidierte ein 400 Meter langes Containerschiff mit einer Fähre und drückte sie zu Schrott. Noch immer sind viele Fragen offen. Auch die, ob das Unglück hätte verhindert werden können.

Der Frachter rammt im Vorbeifahren die Fähre am Anleger.
Der Frachter rammt im Vorbeifahren die Fähre am Anleger.  © Blaulicht-News.de

Im Fokus der Ermittler steht dabei der Kapitän des Frachters "Ever Given". Die Polizei ermittelt nun wegen der Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und der Gefährdung des Schiffsverkehrs gegen den 39-jährigen Inder.

Bei der Kollision des Frachters mit der Hadag-Fähre "Finkenwerder" wurden drei Besatzungsmitglieder leicht verletzt, das Schiff stark beschädigt. Es entstand ein Schaden in sechsstelliger Höhe.

Doch hätte der Container-Riese gar nicht auslaufen dürfen?

Das versucht die Polizei mittels Black-Box herauszufinden. Neben dem Schiffsdatenschreiber greifen die Beamten auch auf Radarbilder, der Funkverkehr und Wetterbilder zurück.

Klar ist, dass vor dem Ablegen des Schiffes die Windgeschwindigkeit noch bei Stärke sechs lag. Erst ab Windstärke sieben, dürfen Containerschiffe die Elbe nicht mehr befahren.

Die Fähre wurde bei dem Unfall stark beschädigt.
Die Fähre wurde bei dem Unfall stark beschädigt.  © Blaulicht-News.de

Bei Auswertung der Datenlage sei aber zu beobachten gewesen, dass zu diesem Zeitpunkt eine kontinuierliche Steigerung in Richtung sieben zu beobachten war. Dennoch durfte der Frachter ablegen.

Nur zwei Minuten nach der Kollision verkündete die Revierzentrale Cuxhaven ein offizielles Windfahrverbot für die Elbe. Eine halbe Stunde nach dem Vorfall lag die Windgeschwindigkeit schon bei sieben, mit Böen von acht.

Nach Angaben der Reederei Evergreen, zu der die "Ever Given" gehört, habe der Kapitän einen Report erstellt, der nun noch ausgewertet werden müsse. Ein Ergebnis könne erst in ein paar Tagen präsentiert werden.

Zum Zeitpunkt des Unglücks waren zwei Lotsen an Bord, ein Schlepper begleitete das Container-Riesen. In den Fokus der Ermittler gerät aber keine der Personen. Die Lotsen hätten nur eine beratende Tätigkeit beim Ablegemanöver und bei der Fahrt über die Elbe gehabt, hieß es. Zudem wurde bekannt, dass der Schlepper den Frachter zwar begleitete, aber keine Leinenverbindung gehabt habe.

Auch einen Ausfall der Ruderanlage soll es nicht gegeben haben. Die "Ever Given" hat mittlerweile ihre Reise in niederländische Rotterdam fortgesetzt.

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