Historiker belastet Ex-SS-Wachmann: Hat Bruno D. auch Häftlinge erschossen?

Hamburg – Die Wachleute im KZ Stutthof sind nach Angaben des Göttinger Historikers Stefan Hördler für alle von ihnen geforderten Aufgaben ausgebildet und herangezogen worden.

Stefan Hördler, Historiker, steht vor Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.
Stefan Hördler, Historiker, steht vor Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.

"Es gab ein Rotationssystem", sagte Hördler am Montag im Prozess gegen einen ehemaligen, heute 93 Jahre alten Wachmann vor dem Hamburger Landgericht.

Er halte es für unwahrscheinlich, dass der Angeklagte Bruno D. nur auf einem Wachturm gestanden oder gelegentlich zur Arbeit verpflichtete Häftlinge nach draußen begleitet haben will, sagte Hördler.

Nach seinen Angaben mussten die Wachleute auch Transporte von "Juden-Häftlingen" in Empfang nehmen und bewachen. Außerdem sollten den Vorschriften zufolge Häftlinge erschossen werden, die flüchten oder aufbegehren wollten.

Dem Angeklagten wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen. Durch seinen Wachdienst von August 1944 bis April 1945 soll er "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Gefangenen zu verhindern.

Der Prozess findet vor einer Jugendkammer statt, weil der Beschuldigte zur Tatzeit erst 17 bis 18 Jahre alt war.

Der Angeklagte wird in einem Rollstuhl in Begleitung seines Anwaltes Stefan Waterkamp (l.) in den Gerichtssaal gebracht.
Der Angeklagte wird in einem Rollstuhl in Begleitung seines Anwaltes Stefan Waterkamp (l.) in den Gerichtssaal gebracht.  © Georg Wendt/dpa

Titelfoto: Georg Wendt/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Hamburg:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0