70-Jähriger steht nach drei Banküberfallen und Mordversuch vor Gericht

Hamburg - Einst zettelte er eine Häftlingsrevolte im berüchtigten Hamburger Gefängnis "Santa Fu" an, knapp 30 Jahre später steht er wieder vor Gericht.

Polizisten stehen im Eingangsbereich der überfallenen Sparkasse.
Polizisten stehen im Eingangsbereich der überfallenen Sparkasse.  © DPA

Am Freitag (13 Uhr) beginnt der Prozess gegen einen mutmaßlichen Serienbankräuber.

Der Angeklagte muss sich wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes aus Habgier verantworten.

Bei einem der Überfälle soll der heute 70-Jährige vor gut zwei Jahren einen Angestellten angeschossen haben.

Das Opfer wurde am Bauch getroffen und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Der Täter erbeutete den Angaben zufolge 4888 Euro und flüchtete mit dem Fahrrad.

Die Polizei fahndete mit großem Aufwand nach dem Räuber, unter anderem in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Die Haspa setzte eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise aus. Die Bemühungen blieben zunächst vergeblich.

Ein Zettel an der Eingangstür weist auf den Banküberfall hin.
Ein Zettel an der Eingangstür weist auf den Banküberfall hin.  © DPA

Doch dann gab es fast genau zwei Jahre später einen weiteren Überfall auf eine Haspa-Filiale im Stadtteil St. Georg (TAG24 berichtete). Der Täter bedrohte am 10. Januar 2019 drei Angestellte mit einer Pistole und erbeutete diesmal 5550 Euro. Wieder wollte er danach mit dem Fahrrad flüchten.

Doch eine zunächst unbekannt gebliebene Zeugin machte zufällig anwesende Beamte auf die Tat aufmerksam, wie die Polizei später berichtete. Sie konnten den Deutschen noch am Tatort festnehmen.

Nach der Verhaftung prüften die Ermittler, ob der 70-Jährige für weitere Taten in Frage kommt. Dabei ergab sich nicht nur der Zusammenhang mit der Tat an der Holstenstraße in Altona-Altstadt, sondern auch der Verdacht zu einem früheren Überfall Ende 2011.

Damals hatte ein maskierter und bewaffneter Räuber eine Filiale in Hamburg-Neustadt überfallen und laut Staatsanwaltschaft 14.800 Euro erpresst. Auch damals war der Mann mit einem Fahrrad geflüchtet. Dieser Überfall wird dem Angeklagten nun ebenfalls zur Last gelegt.

Update, 18.20 Uhr

Der Prozessauftakt dauerte nur eine Stunde. Doch es ließ sich erahnen, dass es ein langwieriger Prozess werden könnte. Gleich zu Beginn machte der Angeklagte klar, dass er sich selbst verteidigen wolle - obwohl er zwei Verteidiger an seiner Seite hat, einer davon der bekannte Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate.

Es sei das Recht des Angeklagten, sich selbst zu verteidigen, erklärten die beiden Juristen. Sie stünden ihrem Mandanten unterstützend zur Seite. Der Angeklagte stellte gleich mehrere Anträge, hält unter anderem den psychiatrischen Gutachter für voreingenommen. Ein Gespräch mit dem Experten hatte der 70-Jährige abgelehnt.

Im Gerichtssaal redete er schnell, unterbrach die anderen Prozessbeteiligten immer wieder. Die Vorsitzende Richterin stoppte und ermahnte ihn mehrmals.

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