SS-Wachmann ist sich keiner Schuld bewusst: "Was hätte ich tun sollen?"

Hamburg –Im Hamburger Stutthof-Prozess soll am Montag um 11 Uhr die Vernehmung des angeklagten früheren KZ-Wachmannes fortgesetzt werden.

Der ehemalige SS-Wachmann wird im Landgericht in einen Gerichtssaal geschoben.
Der ehemalige SS-Wachmann wird im Landgericht in einen Gerichtssaal geschoben.  © Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 93-Jährigen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vor (TAG24 berichtete).

Als SS-Wachmann soll er zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben.

Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Häftlingen zu verhindern. In dem Prozess haben bereits drei Zeugen aus Polen, den USA und Israel die unmenschlichen Zustände in dem KZ geschildert.

Bereits bei seiner ersten Vernehmung vor Gericht am 21. Oktober hatte der Angeklagte sein Mitgefühl für die Gefangenen in den Konzentrationslagern bekundet. Sein Einsatzort Stutthof bei Danzig sei 1944/45 ein "Ort des Grauens" gewesen.

Der 93-Jährige betonte, dass er nicht freiwillig Wachmann geworden sei. Wegen eines Herzfehlers sei er nicht kriegsverwendungsfähig gewesen.

Als er mit 17 Jahren den Marschbefehl nach Stutthof erhielt, habe er vergeblich versucht, in eine Wehrmachtsküche oder -bäckerei versetzt zu werden.

Am 15. November erklärte er, er sei sich keiner Schuld bewusst. "Warum sollte ich daran Schuld haben? Das frage ich mich immer wieder. Was hätte ich tun sollen?"

Wegen des hohen Alters des Angeklagten verhandelt das Gericht immer nur zwei Stunden pro Verhandlungstag. Der Prozess findet vor einer Jugendkammer statt, weil der Beschuldigte zur Tatzeit minderjährig war.

Anne Meier-Göring (hinterste Reihe, M) eröffnet im Sitzungssaal des Landgerichts einen weiteren Prozesstag.
Anne Meier-Göring (hinterste Reihe, M) eröffnet im Sitzungssaal des Landgerichts einen weiteren Prozesstag.  © Christian Charisius/dpa pool/dpa

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa Pool/dpa

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