Radio Hamburg kämpft um Tariflohn

Hamburg - Beim privaten Sender Radio Hamburg knirscht es zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern.

Beschäftigte bei Radio Hamburg sind unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen (Symbolbild).
Beschäftigte bei Radio Hamburg sind unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen (Symbolbild).  © 123RF/wavebreakmediamicro

Mit der seit Mittwoch geschalteten Internetseite "Wir sind Radio Hamburg" wird der bisher intern ausgefochtene Streit nun öffentlich.

In einem Kampagnen-Video stellen die Mitarbeiter klar, dass sie ihren Job lieben und für die Hörer gerne alles geben.

Doch mehrere Gründe belasten die Arbeit aus Sicht der Beschäftigten zunehmend: Stellen fallen weg, Arbeit verdichtet sich, Schicht-Honorare wurden innerhalb von 20 Jahren kaum angepasst, in Verträgen fehlen oft Weihnachts- und Urlaubsgeld, es gibt keinen verlässlichen Inflationsausgleich, das Einstellungsgehalt sank deutlich, es gibt keine ausreichende Altersvorsorge und immer mehr befristete Verträge.

Dabei stehe der Sender wirtschaftlich sehr erfolgreich dar und habe zuletzt einen Millionengewinn gemacht. Das empfinden die Mitarbeiter als ungerecht und wollen sie nicht länger hinnehmen.

Deswegen fordern sie jetzt unterstützt von den beiden Gewerkschaften Verdi und Deutscher Journalisten-Verband (DJV) einen Tarifvertrag!

Die Forderung trifft bei Radio-Hamburg-Geschäftsführer Patrick Bernstein auf Ablehnung. Er halte "politische Tarifverträge" in Zeiten von Digitalisierung und massiver Veränderungen des Markts für nicht zeitgemäß.

Den Vorwürfen entgegnet er mit einer besseren Bezahlung, als es in der Branche üblich ist. "Wer beim Privatradio arbeiten will, möchte auch deshalb oftmals am liebsten zu uns. Und wer bei uns ist, will oftmals nicht mehr weg", sagt Patrick Bernstein.

Die Geschäftsführung habe den Mitarbeitern erst kürzlich ein Angebot gemacht. Die Betriebsvereinbarung sieht vor, dass das Brutto-Gehalt jedes festen Mitarbeiters um pauschal 200 Euro monatlich erhöht wird.

Wegen der hohen Mietkosten in Hamburg sollen Auszubildenden mit einem jährlichen Mietkostenzuschuss in Höhe von 2400 Euro netto unterstützt werden.

Außerdem sollen die Mitarbeiter wegen der gestiegenen Hörerzahl eine Erfolgsprämie von 1000 Euro pro Person erhalten.

Dieses Angebot stehe jetzt im Raum, Betriebsrat und Gewerkschaften wollen aber nicht darauf eingehen, bedauert eine Radio-Hamburg-Sprecherin.

DJV und Verdi rechtfertigen das mit einer Mehrheit der Beschäftigten, die gewerkschaftlich organisiert sei. "Und genau diese deutliche Mehrheit besteht auf einem Tarifvertrag", sagt Martin Dieckmann von Verdi.

Außerdem widersprechen sie der Darstellung des Geschäftsführers: "Was Radio Hamburg hier vorspiegelt, ist in Wahrheit eine höchst einseitige Angelegenheit", sagte Dr. Anja Westheuser, DJV-Rechtsanwältin. "Der Betriebsrat darf Gehaltserhöhungen gar nicht vereinbaren, das wäre glatter Rechtsbruch."

Bei Radio Hamburg arbeiten rund 30 Menschen als Moderatoren, Redakteure, Technikerinnen und Kaufleute. Pro Tag schalten etwa eine Million Hörer den Sender ein.

Mit der Kampagne #WirsindRadioHamburg in den sozialen Netzwerken setzen die Gewerkschaften auf die Solidarität der Hörer und wollen die Geschäftsführung an den Verhandlungstisch bringen.

Die Internetseite dürfte noch nicht alles gewesen sein, was die Gewerkschaften dafür auffährt.

Titelfoto: 123RF/wavebreakmediamicro


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