Erneut Deutsche in Türkei festgenommen

Hamburg/Istanbul – Am Flughafen klickten die Handschellen: In der Türkei ist erneut eine Deutsche festgenommen worden.

Ihren Rückflug nach Deutschland konnte die 58-Jährige nicht mehr wahrnehmen. (Symbolbild)
Ihren Rückflug nach Deutschland konnte die 58-Jährige nicht mehr wahrnehmen. (Symbolbild)  © dpa/AP/Lefteris Pitarakis

Wie die Kurdische Gemeinde in Deutschland am Freitag mitteilte, wurde die 58 Jahre alte Deutsch-Kurdin aus Hamburg bereits am Donnerstag am Flughafen im südostanatolischen Diyarbakir festgenommen.

"Der Fall ist dem Auswärtigem Amt bekannt und wird von unserer Botschaft konsularisch betreut", sagte ein Sprecher des Amtes der Deutschen Presse-Agentur.

Laut Kurdischer Gemeinde war die Frau vor zwei Wochen zu einem Familienbesuch in die Türkei gereist. Als sie ihren Rückflug von Diyarbakir nach Hannover habe antreten wollen, sei sie von der Polizei abgeführt worden.

Nach Angaben des Rechtsanwalts der Frau liege ein Haftbefehl aus Ankara gegen die 58-Jährige vor, sagte der Sprecher der Kurdischen Gemeinde, Mehmet Tanriverdi.

Er sprach von "Schikane und Ausdruck der türkischen Willkürjustiz", die kritische Stimmen auch im Ausland einschüchtern solle. "Möglicherweise hat ihre Festnahme mit dem Engagement ihres Mannes, der Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Hamburg ist, oder auf ihrem Facebook-Account geteilten Postings zu tun", sagte Tanriverdi.

Ganze Serie von Festnahmen

Am Flughafen klickten die Handschellen. (Symbolbild)
Am Flughafen klickten die Handschellen. (Symbolbild)  © dpa/Bernd Wüstneck

Seit dem gescheiterten Putschversuch vor drei Jahren sind immer wieder auch Deutsche in türkischen Gefängnissen gelandet.

Eine ganze Serie von Festnahmen wegen "politischer Gründe" hatte 2017 zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt.

Viele Betroffene durften inzwischen ausreisen, ihre Prozesse gehen aber in Abwesenheit weiter. Dennoch werden weiter Deutsche bei der Einreise abgewiesen, verhört, festgenommen oder im Land festgehalten. In der Urlaubszeit schienen es zuletzt wieder mehr zu werden.

Mittlerweile führt das Auswärtige Amt nicht mehr aus, wie viele Deutsche aus politischen Gründen - also etwa wegen Terrorvorwürfen oder Präsidentenbeleidigung - inhaftiert sind.

Im August war bekannt geworden, dass die Zahl der in der Türkei inhaftierten Deutschen binnen sechs Monaten von 47 auf 62 gestiegen war.

Weitere 38 Bundesbürger saßen wegen einer Ausreisesperre in der Türkei fest.

Titelfoto: dpa/AP/Lefteris Pitarakis

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