Verbraucherzentrale klagt Nestlé an: Redet Lebensmittelkonzern Zuckerwerte schön?

Hamburg - Alles nur Fake? Der Lebensmittelkonzern Nestlé verspricht in einem Werbe-Film, dass seine Produkte heutzutage deutlich weniger Zucker, Fett und Salz enthalten, als noch in der Vergangenheit.

Ein Regal steht voller Nesquik-Produkte.
Ein Regal steht voller Nesquik-Produkte.  © 123RF

Dafür holte sich das Unternehmen sogar Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor der Kamera, die für ihren Auftritt anschließend deutliche Kritik erntete (TAG24 berichtete).

Das Unternehmen habe "in den letzten Jahren circa 10 Prozent reduzieren können", erklärte Mark-Aurel Boersch, CEO von Nestlé Deutschland in einem Twitter-Video.

Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Hamburg fällt jedoch enttäuschend aus.

Der Vorwurf: Der Lebensmittelkonzern habe in seinen Produkten Zucker und Fett nicht so deutlich reduziert, wie behauptet. Untersucht wurden insgesamt 24 Nestlé-Produkte.

"Mit den Vergleichswerten unserer Stichprobe können wir die Aussagen des Nestlé-Chefs nicht bestätigen", sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Nestlé-Boss Boersch behauptete in dem Video, das Unternehmen habe die jeweiligen Anteile in ihren Produkten um zehn Prozent reduziert,. Die Stichprobe durch die Verbraucherzentrale bewies jedoch, dass die durchschnittliche Reduktion nur bei 5,7 Prozent liegt. In 13 Produkten sei der Anteil des Zuckers mindestens genauso hoch oder sogar gestiegen.

Positiv erwähnte die Verbraucherzentrale die Produkte "Nesquik Duo" und "Fitness Knusperflakes". Negativ sind hingegen die "Smarties Schokolinsen" und "KitKat Chunky" aufgefallen. Sie seien laut Stichprobe noch süßer als die Vorgängermodelle.

Nestlé-CEO Marc-Aurel Boesch weist die Vorwürfe zurück.
Nestlé-CEO Marc-Aurel Boesch weist die Vorwürfe zurück.  © Nestle Deutschland AG/dpa

Die Untersuchungen des Fettanteils ergaben im Durchschnitt gar keine Verbesserung. Lediglich beim Salz habe Nestlé Fortschritte gemacht. Auf den überprüften Etiketten finden sich rund 11,3 Prozent niedrigere Salzwerte wieder. Laut Verbraucherzentrale spiele das in vielen Produkten, wie Süßwaren aber keine wichtige Rolle.

"Wir fragen uns, wie und wo Nestlé in den letzten Jahren jeweils 10 Prozent Zucker, Fett und Salz eingespart hat und auf welche Datengrundlage der Konzern seine Aussagen stützt", sagte Valet. Die Stichprobe der Verbraucherzentrale zeige ein vollkommen anderes Bild.

"Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf mehr Transparenz und weniger Schönfärberei! Wer völlig überzuckerte Kinderprodukte im Zuckergehalt auf ein weiterhin sehr hohes Niveau reduziert, sollte sich nicht auf die Schulter klopfen," erklärte Valet.

Der Lebensmittelkonzern ließ sich nicht lange bitten und reagierte auf die Vorwürfe. Der Konzern biete nach eigenen Angaben etwa 5200 verschiedene Produkte an. Die Stichprobe sei mit nur 24 Produkten alles andere als repräsentativ.

Nach Angaben des Unternehmens habe der Konzern in den vergangenen fünf Jahren rund zwölf Prozent Salz, acht Prozent gesättigte Fette und sieben Prozent zugesetzten Zucker reduziert.

"Wir arbeiten auch künftig weiter daran, zugesetzten Zucker, Salz und gesättigtes Fett in unseren Produkten zu reduzieren", erklärte das Unternehmen. Viel wichtiger sei jedoch, dass den Kunden die Produkte immer noch schmecken würden - egal wieviel Zucker, Fett und Salz darin enthalten sei.

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