Wahl in Hamburg: Rot-Grün feiert Sieg, AfD und FDP zittern sich rein

Hamburg - Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg hat die SPD nach Abschluss der Vorabauszählung ihre Position als stärkste Kraft klar verteidigt.

Peter Tschentscher (rechts) und Katharina Fegebank sind strahlende Wahlsieger.
Peter Tschentscher (rechts) und Katharina Fegebank sind strahlende Wahlsieger.  © Marcus Brandt/dpa

Die Partei von Bürgermeister Peter Tschentscher (54) büßte am Sonntag zwar an Stimmen ein, lag aber weit vor dem grünen Regierungspartner.

Die Grünen unter ihrer Spitzenkandidatin Katharina Fegebank (42) verdoppelten ihren Stimmenanteil annähernd. Die CDU büßte erneut an Stimmen ein.

Die FDP musste am Abend noch um den Wiedereinzug in die Bürgerschaft bangen, während die AfD ihn vermutlich schaffte. Die Linke blieb stabil.

Nach dem vorläufigen Ergebnis von 23.17 Uhr erreichte die SPD mit 39 Prozent wieder klar Platz eins (2015: 45,6) - Werte, die sie in keinem anderen Bundesland hat. Die Grünen kamen auf 24,2 Prozent (12,3). Die CDU sackte noch einmal ab auf nun 11,2 Prozent (15,9).

Die Linke gewann leicht auf 9,1 Prozent (8,5). Die FDP lag bei 5,0, die AfD bei 5,3 Prozent.

Lange sah es für AfD und FDP knapp aus. Doch beide Parteien sind offenbar drin.

SPD und Grüne wollen weiter zusammenarbeiten

Peter Tschentscher (rechts) jubelt nach der ersten Prognose auf der Wahlparty seiner Partei zusammen mit seiner Ehefrau Eva-Maria (m) und Melanie Leonhard, SPD.
Peter Tschentscher (rechts) jubelt nach der ersten Prognose auf der Wahlparty seiner Partei zusammen mit seiner Ehefrau Eva-Maria (m) und Melanie Leonhard, SPD.  © Christian Charisius/dpa

Wegen des relativ komplizierten Wahlsystems könnte es möglicherweise erst am Montagabend Klarheit für die beiden kleinen Parteien geben.

Nach Schließung der Wahllokale wurden zunächst nur die Stimmen für die Parteien auf den Landesstimmzetteln nach einem vereinfachten Verfahren ausgezählt, sodass für den späten Sonntagabend nur die voraussichtliche Verteilung der 121 Bürgerschaftssitze auf die Parteien erwartet wurde.

Am Montag sollen die Landesstimmzettel erneut und gründlicher ausgezählt werden, zusammen mit den Stimmen auf den Wahlkreisstimmzetteln.

Für Bürgermeister Tschentscher ist eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition naheliegend.

"Wir haben immer gesagt, dass Rot-Grün die naheliegende Option ist - das gilt auch jetzt. Wir werden als erstes auch mit den Grünen sprechen, sondieren", sagte Tschentscher im ZDF. Fegebank sprach sich ebenfalls für eine Fortführung der Zusammenarbeit aus.

Für Tschentscher war es die erste Wahl. Er hatte den Bürgermeisterposten 2018 von Olaf Scholz übernommen, der an die Spitze des Bundesfinanzministeriums wechselte.

Im Wahlkampf hatte die SPD stark versucht, sich vom negativen Trend der Bundespartei abzukoppeln. Die beiden neuen Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans waren nicht zu Auftritten eingeladen.

Bürgermeister schließt Koalition mit CDU nicht aus

Marcus Weinberg, CDU-Spitzenkandidat, verfolgt die Hochrechnungen.
Marcus Weinberg, CDU-Spitzenkandidat, verfolgt die Hochrechnungen.  © Daniel Reinhardt/dpa

Neben Rot-Grün wäre rechnerisch auch eine Koalition von SPD und CDU möglich, politisch ist das jedoch unwahrscheinlich.

Bürgermeister Tschentscher kündigte an, auch mit der CDU zu sprechen. "Wir werden aber auch - wenn sich die Mehrheiten so bestätigen - auf die CDU zugehen, ein Gespräch führen."

Die Wähler hätten entschieden, dass es diese beiden Optionen gebe. "Wir stehen bereit zu Gesprächen", sagte CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg.

Er bezeichnete das Ergebnis seiner Partei als enttäuschend. Die bundesweiten Ereignisse der letzten Tage und Wochen hätten den Hamburger Wahlkampf spürbar überschattet, erklärte Weinberg.

"Nach der Wahl von Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten sind wir mehrfach in schwere politische Turbulenzen geraten. Diese Auswirkungen haben uns Ansehen und am Ende auch viele Stimmen gekostet."

Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak begründete das Desaster seiner Partei in Hamburg mit der Regierungskrise in Thüringen: "Es ist ein bitterer Tag für die CDU Deutschlands."

FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein machte ebenfalls die Ereignisse in Thüringen als schwere Hypothek für ihren Wahlkampf aus: "Die Schwierigkeiten lagen für uns natürlich daran, dass wir hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Bürgermeisterkandidaten hatten, die die kleineren Parteien einfach schon ein bisschen an die Seite gedrängt haben und dann - wie bekannt - kam natürlich Thüringen hinzu."

Die Hamburger Linken sehen sich trotz der sich abzeichnenden Zugewinne bei der Bürgerschaftswahl weiter klar in der Opposition. Die Linke wolle eine starke Kraft aus der Opposition heraus bleiben, sagte Spitzenkandidatin Cansu Özdemir im NDR.

AfD-Spitzenkandidat Dirk Nockemann sprach vom "Ergebnis einer maximalen Ausgrenzungskampagne". Die ganze Zeit habe die AfD konstant bei etwa 7 Prozent gelegen, nach Thüringen sei es dann aber runter gegangen, sagte Nockemann im NDR vor Bekanntwerden der für seine Partei günstigeren Hochrechnungen.

So haben die Parteien abgeschnitten

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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