Alt-Bundespräsident bei "Markus Lanz": Gauck fordert mehr Toleranz für rechts

Hamburg - Für seine Sendung am Fronleichnam hatte sich Talkmaster Markus Lanz etwas Besonderes ausgedacht. Statt wie gewohnt vier Gäste einzuladen, reichte ihm dieses Mal eine.

2013 waren ZDF-Moderator Markus Lanz (links) und der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck gemeinsam auf dem Evangelischen Kirchentag.
2013 waren ZDF-Moderator Markus Lanz (links) und der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck gemeinsam auf dem Evangelischen Kirchentag.  © DPA

Markus Lanz greift nur selten dazu, am Donnerstag war es wieder so weit. 74 Minuten sprach er gemeinsam mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck über die aktuelle Entwicklung in der Politik.

Der 79-Jährige war jüngst in die Kritik geraten, weil er in einem Spiegel-Interview eine "erweiterte Toleranz gegen rechts" fordert.

In der ZDF-Sendung "Markus Lanz" legte Gauck nach. "Rechts ist eine Verortung im politischen Raum, die noch nicht negativ ist", sagte er. In seinen Augen beginne überall, wo nicht mehr links sei, bereits der Faschismus. Besonders kritisierte der Alt-Bundespräsident dabei die "68er-Kultur".

Stattdessen forderte Gauck auf, den Begriff "rechts" zu "entgiften", wie er es nannte. Das Aushalten verschiedener Meinungen gehöre für ihn zur Demokratie.

"Toleranz ist manchmal eine Zumutung", sagte Gauck. So lange Dinge, die widerlich seien, nicht gegen das Grundgesetz verstoßen würden, hätten sie das Recht zu existieren.

Alleine eine andere Ansicht oder Denkweise würde nicht reichen, um sie "vom Spielfeld zu verweisen". Gauck will, dass die Gesellschaft mit "kämpferischer Toleranz" gegen diese Menschen vorgeht.

Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte Gauck eine öffentliche Veranstaltung. (Archivbild)
Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte Gauck eine öffentliche Veranstaltung. (Archivbild)  © DPA

Damit meinte er unter anderem auch seine ehemaligen Kollegen der CDU, von der er eine "erweiterte Toleranz in Richtung rechts" forderte.

Zudem legte Gauch allen Fraktionen im Bundestag nahe, ihr Verhalten gegenüber der AfD zu überdenken. Bislang wurde jeder AfD-Kandidat bei der Wahl zum Bundestags-Vizepräsidenten abgelehnt, der 79-Jährige nannte es einen "problematischen Weg".

Er selbst halte die AfD zwar für "verzichtbar", man müsse sich aber mit ihr als politischen Gegner auseinandersetzen - außer mit Alexander Gauland. Für den heutigen AfD-Chef, der früher ein CDU-Mitglied war, habe Gauck "nicht genug Achtung".

Der ehemalige Bundespräsident lieferte auch gleich seine Begründung hinterher: "Ich habe eine persönliche Toleranzgrenze." Daher sei er selbst ein "heftiger Gegner" der Partei, dessen Wähler er nicht für Faschisten und Nazis halte, sondern vielmehr als Protestwähler sieht.

Am Ende brach Gauck, der im Frühlingssommer 2015 gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, eine Lanze für die 64-Jährige. "Wenn Sie dies oder jenes gegen ihre Politik haben, vergleichen Sie ihre Arbeit doch mal mit der Arbeit anderer Regierungschefs in Europa."

Vom Publikum gab es dafür Applaus, wie auch für den kompletten Auftritt von Joachim Gauck bei Markus Lanz.

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