Land unter beim HSV! Vereinsboss nennt Spiele "grottenschlecht"

Hamburg - Krisenmodus beim Hamburger SV! Die Derby-Niederlage gegen den FC St. Pauli steckt dem HSV noch in den Knochen. Da setzt es die zweite Niederlage binnen einer Woche.

Rick van Drongelen (rechts) kümmert sich um Timo Letschert, der nach einem Zusammenstoß benommen am Boden hockt.
Rick van Drongelen (rechts) kümmert sich um Timo Letschert, der nach einem Zusammenstoß benommen am Boden hockt.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Das Wetter war trüb, die Stimmung trüber. Am Tag nach der 0:3-Pleite bei Erzgebirge Aue standen die Profis des Hamburger SV bedröppelt auf den Trainingsplatz und ließen eine mehrminütige Ansprache von Trainer Dieter Hecking über sich ergehen.

Für die Außenstehenden waren die Worte nicht zu verstehen, es muss aber energisch gewesen sein.

"Wir befinden uns in einer sportlichen Krise", bekannte Vereinsboss Bernd Hoffmann am Sonntag anschließend und schimpfte: "Wir haben zwei grottenschlechte Spiele gemacht."

Dabei bezog er die 0:2-Pleite eine Woche zuvor im Stadtderby gegen den FC St. Pauli ein. Damit jedoch keine falschen Schlüsse in der Öffentlichkeit gezogen werden, verkündete er: "Die sportliche Leitung hat unsere Rückendeckung. Wir sind froh, dass wir so einen erfahrenen Trainer wie Dieter Hecking haben."

Am angepeilten Aufstieg machte Hoffmann keinerlei Abstriche. "Klares Ziel ist die 1. Liga. Wir sind in Schlagdistanz zu den direkten Aufstiegsplätzen und haben noch zehn Spiele vor uns."

"Es ist gerade eine schwierige Phase", gestand Hecking bei NDR 90,3. "Diese Mannschaft ist charakterstark, aber sie bringt es im Moment nicht auf den Platz." Seit drei Spielen sind die Hamburger sieglos, haben in dieser Phase nur ein Tor erzielt. Die Tendenz weist kontinuierlich nach unten. In den vergangenen 13 Spielen gab es nur vier Siege.

So sehr Hecking die Wogen auch glätten möchte und nach eigenem Bekunden auf der bis zehn reichenden Gefühlsskala "irgendwo zwischen fünf und sechs pendelt, damit mich die Ausschläge nicht so treffen" - er steckt in einem Dilemma.

Nach außen muss der erfahrene Coach Ruhe und Gelassenheit wahren, um den mittlerweile fragilen Optimismus in der Öffentlichkeit nicht zu zerbröseln, doch in seinem Inneren brodelt es.

HSV-Trainer Dieter Hecking hat Personalprobleme

HSV-Trainer Dieter Hecking geht nach der Niederlage in Aue vom Platz.
HSV-Trainer Dieter Hecking geht nach der Niederlage in Aue vom Platz.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Vielleicht sieht es so aus, als ob wir nicht kämpfen. Aber wir geben immer alles", entschuldigte sich Innenverteidiger Timo Letschert.

Die Abwehr war in Aue nicht im Bilde, der Angriff kaum vorhanden. Neben der Mentalkrise gibt es jetzt auch noch eine Personalmisere.

Innenverteidiger Ewerton schied schon nach 23 Minuten mit einer Knieverletzung aus. Damit nicht genug: Sein Kollege Letschert wurde nach einem Zusammenprall in der 2. Halbzeit benommen vom Platz geführt.

Es kam noch ärger: Defensivakteur Gideon Jung musste mit Gelb-Rot nach einer Schwalbe vorzeitig unter die Dusche. Wie schon eine Woche zuvor war es für Hecking ein gebrauchter Tag.

"Es ist nicht immer leicht, das gerade Gesehene in Worte zu fassen", meinte der 55-Jährige. Er will die Demütigung bei den Sachsen, die zuvor in den fünf Spielen des Jahres nicht gewonnen hatten, "erst einmal sacken lassen".

Die wohlmeinenden Worte seines Auer Kollegen Dirk Schuster, der den HSV als "eine individuell brutal starke Mannschaft" beschrieb, können Hecking kaum trösten. Denn davon war im Erzgebirgsstadion nichts zu sehen.

Es hat den Anschein, als kriegten die Hamburger in der entscheidenden Phase des Aufstiegskampfes wieder das Nervenflattern. Die Situation erinnert stark an das Vorjahr. Unter Hecking-Vorgänger Hannes Wolf brach das Team in der Rückrunde zusammen.

Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatten die Hamburger zwar sechs Punkte mehr auf dem Konto, am Ende reichte es aber nur zu Platz vier. Damals wurden in den letzten zehn Spielen lediglich neun Punkte geholt. Ein ähnliches Szenario soll unbedingt verhindert werden.

Einzig positive Nachricht an dem missratenen Tag: Weder der Tabellenzweite VfB Stuttgart (0:2 in Fürth) noch Verfolger 1. FC Heidenheim (0:2 in Darmstadt) konnten die Steilvorlage des HSV nutzen.

So bleibt der HSV im Aufstiegsrennen. Seine Verfassung jedoch ist bedenklich und nährt derzeit kaum Hoffnungen auf Erstklassigkeit.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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