Kleiner Junge (4) stirbt qualvoll: Prozess gegen Sektenführerin in Hanau

Hanau - Mehr als 30 Jahre nach dem qualvollen Tod eines kleinen Jungen in einer Hanauer Sekte kommt der rätselhafte Fall vor Gericht.

Die 72-jährige Angeklagte betritt mit ihrem Anwalt Matthias Seipel den Gerichtssaal.
Die 72-jährige Angeklagte betritt mit ihrem Anwalt Matthias Seipel den Gerichtssaal.  © Jörn Perske/dpa

Am heutigen Dienstag (9 Uhr) beginnt vor dem Landgericht Hanau der Mord-Prozess gegen eine nun 72-jährige Deutsche, die als Anführerin der Gruppe gilt.

Die Sektenführerin soll den Vierjährigen, der in ihrer Obhut gestanden haben soll, am 17. August 1988 in einen Leinensack eingeschnürt, im Badezimmer abgelegt und ihn trotz panischer Schreie seinem Schicksal überlassen haben (TAG24 berichtete).

Die Angeklagte soll den Jungen laut Anklage als "von den Dunklen besessen" angesehen haben. Deshalb habe sie beschlossen, ihn zu töten.

Der Junge sei nach einem "erbitterten Todeskampf" gestorben. Vermutlich ist er erstickt.

Die Staatsanwaltschaft in Hanau sieht das Mordmerkmal der Grausamkeit erfüllt. Zudem habe die Frau aus niedrigen Beweggründen gehandelt.

Mord-Prozess in Hanau gegen Anführerin von Sekte

Neu aufgerollt wurde der Fall im Frühjahr 2015 durch neue Aussagen von ehemaligen Mitgliedern der Sekte.

Der Rechtsanwalt der Angeklagten hatte den Mord-Vorwurf stets bestritten.

Angeklagte Sekten-Chefin schweigt und lässt Erklärung verlesen

Update, 18.25 Uhr: Das große Medieninteresse zum Auftakt im Hanauer Mordprozess um den Tod eines Kindes quittierte die Angeklagte mit demonstrativer Gelassenheit.

Ruhig und selbstsicher präsentierte sich die 72-jährige Deutsche, als sie am Dienstagmorgen den Verhandlungssaal im Hanauer Landgericht betrat.

Die Angeklagte äußerte sich zum Prozess-Auftakt nicht. Die grauhaarige Frau wirkte emotionslos. Ihre Anwälte verlasen eine Erklärung und wiesen den Mordvorwurf zurück.

Es habe keine Tötungshandlung vorgelegen. Der in der Anklage geschilderte Tatablauf sei "reine Spekulation". Unklar sei auch die genaue Todesursache.

Titelfoto: Jörn Perske/dpa

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