Nach Blutnacht: Tausende versammeln sich zu Mahnwache in Hanau

Hanau - Die schreckliche Attacke in Hanau, bei der am späten Mittwochabend insgesamt elf Menschen starben, löste Trauer und Entsetzen aus. In Hanau versammelten sich am Donnerstag rund 5000 Menschen zu einer Mahnwache.

Tausende kamen auf dem Marktplatz von Hanau zu einer Mahnwache zusammen.
Tausende kamen auf dem Marktplatz von Hanau zu einer Mahnwache zusammen.  © Martin Meissner/AP/dpa

Auch in zahlreichen anderen Städten kamen Menschen zusammen, um gemeinsam zu trauern.

Friedliche Gedenkveranstaltungen gab es nach Angaben der Polizei auch in Frankfurt, Kassel, Fulda, Gießen oder in Darmstadt. In Frankfurt versammelten sich an der Paulskirche nach Polizeiangaben rund 3500 Menschen.

Bei der Mahnwache in Hanau sprachen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zu den Menschen.

Der Bundespräsident rief dabei zu Zusammenhalt auf: "Was geschehen ist, das schlägt eine tiefe Wunde in diese Stadt", sagte er am Donnerstagabend auf dem gut gefüllten Marktplatz in Hanau. "Eine Wunde, die nur heilen wird, wenn wir Gemeinsamkeit nicht nur in der Stunde des Schreckens zeigen, sondern auch an den Tagen, die kommen und auf Dauer zeigen."

"Nazis raus"-Rufe bei Trauerveranstaltung in Hanau

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) spricht auf der Mahnwache in Hanau. Neben ihm steht der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) spricht auf der Mahnwache in Hanau. Neben ihm steht der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.  © Thomas Frey/dpa

Während der Rede Steinmeiers sowie der Reden von Volker Bouffier und Claus Kaminsky waren immer wieder "Nazis raus"-Rufe zu hören, andere forderten die Herausgabe der "NSU-Akten".

Steinmeier hatte vor der Mahnwache die Tatorte des mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlags von Mittwochabend besucht. Gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender traf sich Steinmeier im Rathaus auch mit etwa 20 Angehörigen von Opfern.

Ein Deutscher hatte in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze Tobias R. seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben.

"Nichts kann diese sinnlose Tat erklären", sagte Steinmeier. Sie mache fassungslos, traurig und auch zornig. Der Bundespräsident sprach von einem Terrorakt und stellte ihn in eine Reihe mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und dem Anschlag in Halle.

Sprache, so Steinmeier, bereite allzu häufig Gewalt den Weg. "Achten wir auf unsere Sprache, in der Politik, in den Medien und überall in der Gesellschaft."

Blumen und Kerzen sowie Trauer und Diskussionen

Wenige Meter hinter der Bühne legten Menschen am Denkmal der Brüder Grimm Blumen nieder und zündeten Kerzen an - ebenso am nur wenige hundert Meter entfernten Heumarkt, einem der Tatorte aus der Nacht. Dort war die Stimmung zeitweise aufgeheizt, Passanten diskutierten miteinander. Ein Mann sagte, die fortdauernde "Islam-Hetze" im Land habe mit zu der Tat in Hanau beigetragen, dafür erntete er so manchen Applaus.

Andere Menschen trauerten still, zeigten sich fassungslos. "Es hätte jeden treffen können", meinte eine Besucherin der Mahnwache nachdenklich.

Mehrere Menschen legen Blumen und Kerzen in der Nähe eines Tatorts in Hanau nieder.
Mehrere Menschen legen Blumen und Kerzen in der Nähe eines Tatorts in Hanau nieder.  © Nicolas Armer/dpa
Kerzen erinnern in der Innenstadt von Hanau auf dem Sockel des Grimm-Denkmals an die Opfer des Anschlags.
Kerzen erinnern in der Innenstadt von Hanau auf dem Sockel des Grimm-Denkmals an die Opfer des Anschlags.  © Boris Roessler/dpa
Kerzen und Blumen liegen in der Nähe von einer der beiden Shisha-Bars in Hanau in der mehrere Menschen getötet wurden.
Kerzen und Blumen liegen in der Nähe von einer der beiden Shisha-Bars in Hanau in der mehrere Menschen getötet wurden.  © Nicolas Armer/dpa

Titelfoto: Martin Meissner/AP/dpa

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