Bluttaten von Hanau und Volkmarsen: Können wir uns vor solchen Anschlägen schützen?

Wiesbaden/Hanau/Volkmarsen - Der mutmaßlich rassistisch motivierte Anschlag in Hanau ist nach Einschätzung eines Experten genauso wenig vorhersehbar gewesen wie der Angriff mit einem Auto in Nordhessen (TAG24 berichtete).

Der Screenshot zeigt den mutmaßlichen Hanau-Attentäter Tobias R..
Der Screenshot zeigt den mutmaßlichen Hanau-Attentäter Tobias R..  © screenshot youtube

"So etwas fällt nicht vom Himmel, doch lässt es sich erst im Nachhinein rekonstruieren", sagte der Wiesbadener Kriminologe Martin Rettenberger der Deutschen Presse-Agentur.

Etwa mit Blick auf das Leben der Täter: "Egal aus welchem Bereich, wer derart schwerwiegende Straftaten begeht, in dessen Biografie findet man eine Entwicklung", sagte Rettenberger.

Einen Zusammenhang der beiden Taten sieht der Kriminologe nicht. Bei den politisch motivierten Taten in Hanau und vergangenes Jahr in Wächtersbach sowie dem nordhessischen Wolfhagen, wo Regierungspräsident Walter Lübcke ermordet wurde, könne es dagegen schon einen Zusammenhang geben:

"Nachahmungseffekte können möglicherweise der Auslöser dafür sein, dass eine schon länger schwelende Ursache in die Tat umgesetzt wird", sagte der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden.

Rettenberger sprach sich dafür aus, nach dem Angriff in Hanau weitere Beschränkungen des Zugangs zu Schusswaffen in Erwägung zu ziehen. Die Verfügbarkeit solch tödlicher Waffen müsse immer wieder auf den Prüfstand.

Kein 100-prozentiger Schutz vor Attentaten möglich

Beim Attentat von Volkmarsen wurden am Rosenmontag 76 Menschen teils schwer verletzt.
Beim Attentat von Volkmarsen wurden am Rosenmontag 76 Menschen teils schwer verletzt.  © DPA/Elmar Schulten

In Hanau hatte der Täter zehn Menschen getötet, bevor er sich selbst erschoss. Dass Autos wie im nordhessischen Volkmarsen zur Waffe würden, könne man dagegen nicht verhindern.

Wichtig seien Schulungen etwa zum Thema Amokgefahr, so dass bestimmte Äußerungen im Freundeskreis, unter Kollegen oder im Schützenverein eingeordnet werden könnten. Für Lehrer gebe es dies bereits.

Dabei handele es sich indes um eine Gratwanderung: "Den 100-prozentigen Schutz wird es nicht geben und wir wollen ja auch keine Gesellschaft, in der Jeder vermutet, sein Nachbar könnte schwerste Straftaten begehen", sagte der Psychologe.

Von Strafverschärfungen verspricht sich der Kriminologe keinen Schutz: "Keiner dieser Täter würde vorher ins Strafgesetzbuch schauen, ob es wirklich schon lebenslang gibt oder er noch mit 20 Jahren davon kommt."

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