"Nicht tragbar": Sächsischer Handball-Präsident muss wegen AfD-Kandidatur zurücktreten

Leipzig - Am Samstag wählten sie ihn noch erneut zu ihrem Präsidenten, nun ist Uwe Vetterlein von seinem Amt beim Handball-Verband Sachsen (HVS) zurückgetreten. Grund war eine Kandidatur Vetterleins bei der Dresdner Stadtratswahl für die AfD, was bereits zu einer Distanzierung der Leipziger Spielbezirksleitung von ihrem Präsidenten geführt hatte.

Uwe Vetterlein ist als Präsident des HVS zurückgetreten. (Symbolbild)
Uwe Vetterlein ist als Präsident des HVS zurückgetreten. (Symbolbild)  © 123RF

Einer Mitteilung des HVS zufolge war erst unmittelbar vor der Wahl am Samstag bekannt geworden, dass Vetterlein bei der Kommunalwahl in Dresden an diesem Sonntag für die AfD als Nichtparteimitglied kandidiert.

Laut einem Statement des Roten Stern Leipzig hatte sich Leipzigs Spielbezirksleitung daraufhin bereits bei der Wiederwahl Vetterleins enthalten. Am Montag habe die Bezirksleitung dann erklärt, dass sie sich von ihrem gewählten Präsidenten distanziere und die Zusammenarbeit mit ihm einstelle.

Das offene Bekenntnis Vetterleins zu den "nationalistischen, diskriminierenden und antidemokratischen Positionen und die Nutzung der populistischen Phrasen" der AfD sei mit dem Amt des HVS-Präsidenten nicht vereinbar und schade der Reputation der sächsischen Handballer, lautete die Begründung.

"Die Handballer*innen von Roter Stern Leipzig wie auch der Gesamtverein begrüßen die Entscheidung der Spielbezirksleitung Leipzig nicht mit Uwe Vetterlein als Präsidenten des HVS zu kooperieren", heißt es in dem Statement. "ei der AFD handelt es sich um eine Partei, die Bedrohungsszenarien herbeiredet, die Opferrolle instrumentalisiert und Abschottungsfantasien propagiert. Ein Präsident des Handballverbands, der sich dieser Partei verpflichtet fühlt, ist für uns nicht tragbar."

Auch das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) wollte sich am Montag in einer Sitzung mit der AfD-Kandidatur Vetterleins beschäftigen, wie DHB-Präsident Andreas Michelmann am Donnerstag bestätigte. Vetterlein sollte bei dem Treffen nicht dabei sein.

In einer außerordentlichen Präsidiumssitzung soll Vetterlein am heutigen Freitag seine Amtsniederlegung verkündet, so die Mitteilung des HVS weiter. "Das Präsidium des Handball-Verbandes Sachsen dankt Uwe Vetterlein für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement – ab 1993 als Vizepräsident, seit 2007 als Präsident des HVS ausdrücklich."

Gleichzeitig erhofft sich das Präsidium mit dem Rücktritt, einen möglichen Schaden abgewendet zu haben. "Die Frage nach der Vereinbarkeit der Spitzenposition im größten ostdeutschen Handball-Verband mit dem Engagement für eine öffentlich stark umstrittene Partei hätte zu einer inneren Zerreißprobe mit immer neuen politischen Diskussionen und daraus resultierenden unabsehbaren Folgen führen können", hieß es.

Der HVS verstehe sich selbst gemäß seiner Satzung als politisch neutral.