Ex-Aue-Trainer Drews erwischte das HSV-Angebot im Baumarkt

Hamburg - Vor gut einem Jahr feiert Hannes Drews mit dem FC Erzgebirge Aue den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Nun ist der ehemalige Zimmerkollege von Domenico Tedesco für die Regionalliga-Mannschaft des HSV tätig.

Hannes Drews trainiert neuerdings die U21 des Hamburger SV.
Hannes Drews trainiert neuerdings die U21 des Hamburger SV.  © dpa/Oliver Jensen

Hannes Drews sucht gerade im Baumarkt nach Farbe, als sein Mobiltelefon klingelt. Es meldet sich der Hamburger SV.

"Der Anruf kam wie aus dem Nichts", sagt der 37-Jährige. Kurze Zeit später unterschreibt er einen Vertrag als neuer Trainer der U21 in der Regionalliga.

Ein ungewöhnlicher Karriereschritt für einen Trainer, der in der Saison 2017/18 noch Cheftrainer in der 2. Bundesliga beim FC Erzgebirge Aue war.

Nachdem dort der Klassenerhalt über die Relegation gelungen war, wurde der Vertrag auf seinen Wunsch aufgelöst. "Dafür gab es persönliche Gründe", sagt er.

Warum er nun zwei Ligen darunter die Reserve des HSV trainiert?

"Das hat zweierlei Gründe", antwortet er: "Der HSV ist ein sehr großer Verein mit großer Strahlkraft. Hinzu kommt, dass ich selber aus Norddeutschland komme, dadurch immer ein HSV-Sympathisant war und früher selber Spiele im alten Volksparkstadion verfolgt habe."

Hannes Drews hat selber nie höherklassig Fußball gespielt. Mit 16 Jahren fing er an, in seinem Heimatverein TuS Nortorf die jüngsten Jahrgänge zu trainieren.

Als 28-Jähriger betreute er Nortorfs Männer-Mannschaft in der Verbandsliga. Ein Jahr später wurde der gelernte Versicherungskaufmann Jugendtrainer bei Holstein Kiel.

Hospitation beim Handball-Rekordmeister

Mit Erzgebirge Aue schaffte Hannes Drews als Trainer den Klassenerhalt.
Mit Erzgebirge Aue schaffte Hannes Drews als Trainer den Klassenerhalt.  © DPA/Robert Michael

Auf Empfehlung von Domenico Tedesco, mit dem Drews sich im Lehrgang zum Fußballlehrer ein Zimmer teilte, landete er in Aue.

Laut Drews braucht man viel Glück, um ohne eigene Profilaufbahn Berufstrainer zu werden: "Einfach weil man nicht so viele Kontakte hat."

Der gebürtige Neumünsteraner hat die letzten Monate genutzt, um über den Tellerrand des Fußballs hinauszublicken und hospitierte beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel.

"Das war sensationell und hat mir einen anderen Input gebracht", sagt er.

"Wenn ich sehe, was der Fußball für einen aufgeblähten Trainerstab hat und mit welch kleinem Staff der wohl beste Handballverein Deutschlands auskommt, ist das Wahnsinn."

Beim HSV ist es nun seine Aufgabe, die eigenen Nachwuchsspieler weiterzuentwickeln.

"Das Beste wäre, wenn es möglichst viele Spieler zu den Profis schaffen, dort zunächst im Training mitmischen und dann nachhaltig im Profikader stehen." Der Übergang vom Jugend- zum Profifußball ist allerdings schwierig, wie Drews weiß.

Ambitionen auf Chefposten der Profis?

Hannes Drews hat keine Ambitionen
Hannes Drews hat keine Ambitionen  © dpa/Oliver Jensen

"Die jungen Spieler müssen im Training bei den Profis möglichst viel aufsaugen, weil die Spielgeschwindigkeit dort höher ist. Zudem ist es wichtig, dass sie in der U21 Spielpraxis sammeln."

Für Sebastian Harms, den sportlichen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, ist Hannes Drews der ideale Trainertyp, weil er "sowohl die Ausbildungsarbeit innerhalb eines NLZ kennt, als auch die Anforderungen im Lizenzbereich aus eigener Erfahrung einschätzen kann."

Drews wird eng mit Cheftrainer Dieter Hecking zusammenarbeiten und sich immer wieder über die Entwicklung junger Spieler austauschen.

Will Drews ähnlich wie Thomas Doll, Joe Zinnbauer oder zuletzt Christian Titz vom Trainer der 2. Mannschaft irgendwann zum Cheftrainer der Profis befördert zu werden? "Nein, überhaupt nicht", antwortet er.

"Ich bin mir sicher, dass das Team unter Dieter Hecking eine gute Saison spielen wird und seine Ziele erreicht."

Titelfoto: dpa/Oliver Jensen

Mehr zum Thema HSV:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0