Lieber Frauenfußball statt HSV: Hans Sarpei haut mal wieder einen raus!

Hamburg - Autsch! Als wäre der verpasste Bundesliga-Aufstieg des Hamburger SV nicht schon schlimm genug, hat jetzt auch noch Hans Sarpei in seiner "GQ"-Kolumne gegen den HSV geledert.

Hans Sarpei gewann als Spieler den DFB-Pokal mit dem FC Schalke 04.
Hans Sarpei gewann als Spieler den DFB-Pokal mit dem FC Schalke 04.  © DPA

Dort heißt es: "Bevor Sie also in der kommenden Saison beim HSV mit Ihrer Familie rund 150 Euro für 90 Minuten Zweitklassigkeit ausgeben, gehen Sie doch mal lieber mit Ihren Kids zum Frauenfußball und haben für weniger als 50 Euro einen tollen Nachmittag."

Diese Aussage trifft Sarpei, nachdem er eine Lobeshymne auf den Frauenfußball hält und nicht verstehen kann, dass diese Sportart in Deutschland so ein geringes Ansehen hat: "Der deutsche Frauenfußball ist sportlich erfolgreicher: Seit 1990 gewannen die deutschen Frauen 10 Titel, darunter zwei WM-Titel und sieben Europameisterschaften, dazu noch Gold bei den olympischen Spielen."

Bei den Männern seien es dagegen "nur" zwei WM-Titel und eine Europameisterschaft.

Sarpei trägt weiter Fakten vor: "Frauenfußball ist so schnell wie Männerfußball: Das Durchschnittstempo bei den WM-Spielen beträgt 6,5 km/h bei den Frauen und 6,6 km/h bei den Männern. Nur beim Sprint liegen Männer mit 35,3 km/h gegenüber 30 km/h bei den Frauen leicht vorn. Hätten Sie das gedacht?" Dazu gebe es bei den Damen mehr Torchancen und Tore zu bestaunen.

Der frühere ghanaische Nationalspieler (36 Partien, ein Tor) führt das auch auf sexistische Bemerkungen wie "Frauenfußball ist wie Pferderennen, nur mit Esel" oder "Das sind doch alles Kampflesben" zurück und Sprüche von bekannten Sportlern wie Gerd Müller ("Frauen gehören hinter den Kochtopf") oder Berti Vogts ("Es gibt schönere Sportarten für die Dame").

Hans Sarpei gibt ein klares Statement für den Frauenfußball ab.
Hans Sarpei gibt ein klares Statement für den Frauenfußball ab.  © DPA

Das stimmt den 190-fachen Bundesliga-Spieler nachdenklich: "Es sind Sätze aus einer Zeit, in der Mehrheiten gewohnt waren, sich über Minderheiten und das vermeintlich schwache Geschlecht lustig zu machen. Es sind Sätze, die mich als farbigen Deutschen an unseren ehemaligen Außenminister erinnern, der bei einem Staatsbesuch in Afrika die Begrüßung mit 'Sehr verehrte Damen und Herren' mit einem 'Liebe Neger' verlängerte, um auf den Unterschied aufmerksam zu machen."

Doch nicht nur das bereitet dem Kultspieler Sorgen: "Denn egal, ob Frauenfußball, Leichtathletik, Handball oder Hockey: Sportdeutschland findet in seiner Vielfalt medial kaum statt. Und selbst die Frauen-Fußball-WM interessiert uns erst, wenn wir im Halbfinale sind."

Vielleicht auch gerade deshalb meint Sarpei: "Ich drücke unserer Mannschaft die Daumen, dass wir ins Finale kommen, den Titel holen und auf Basis des sportlichen Erfolgs den Frauenfußball in den kommenden Jahren weiterentwickeln."

Denn: "Länder wie Italien, Spanien und England machen es längst vor, in denen Top-Spiele der nationalen Frauen-Ligen im letzten Jahr vor ausverkauften (!) Arenen stattgefunden haben und wo die Rekorde purzelten. Der Frauenfußball ist Hooligan-, Rüpel- und gewaltfrei, bezahlbar und dennoch auf tollem Niveau für den Zuschauer."

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