Als Allheilmittel gefeiert: Videosprechstunde bislang ein Flop

Hartha - Seit fast genau einem Jahr dürfen sächsische Patienten ihren Arzt per Videosprechstunde konsultieren. Was damals als Meilenstein im Kampf gegen den Ärztemangel auf dem Land gefeiert wurde, entpuppt sich vorerst als Flop. Kaum einer will zum Video-Doc.

Dr. Danny Nummert-Schulze bietet seit letzten September auch Sprechstunden über eine Video-Verbindung an. Doch die Resonanz ist mehr als dürftig.
Dr. Danny Nummert-Schulze bietet seit letzten September auch Sprechstunden über eine Video-Verbindung an. Doch die Resonanz ist mehr als dürftig.  © Monika Skolimowska/dpa

Dabei klingt die Idee so gut: Vom heimischen Computer aus klagt man seine Wehwehchen über eine geschützte Verbindung. Man spart den beschwerlichen Weg zur Praxis und die nervtötende Zeit im mitunter ansteckenden Wartezimmer.

Allerdings bieten erst 158 der rund 8500 der sächsischen Ärzte und Psychotherapeuten diesen Service an.

Einer von ihnen ist Dr. Danny Nummert-Schulze. Im Januar war bei ihm großer Presserummel mit Ministerin-Besuch. Seither wurde es bei ihm ruhig um die Videosprechstunde. Hochgerechnet hatte er aller drei Wochen einen "Fernpatienten".

Im ersten Quartal des Jahres rechneten gerade einmal sechs Ärzte mindestens eine Videosprechstunde bei den Krankenkassen ab. Maximal 50 Stunden pro Quartal dürfen sich die Mediziner bezahlen lassen, doch davon sind sie noch weit entfernt.

Zumal sich der Service für den Arzt nicht wirklich rentiert. Die Fernbehandlung wird mit 9,38 Euro vergütet, vorher muss er aber eine Lizenz erwerben und dafür eine monatliche Gebühr zahlen, außerdem die Technik anschaffen. Unter diesen Bedingungen werden vorerst nicht viele Video-Ärzte hinzukommen.

Auch an den Patienten könnte das Modell kranken. Bei einer Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung lehnen 62 Prozent einen Arztbesuch per Video für sich selbst komplett ab.

Titelfoto: Monika Skolimowska/dpa

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