Immer mehr Hartz IV für Menschen in Arbeit: Warum das so ist und was die Lösung sein kann

Berlin - Froh darüber zu sein, eine Arbeit zu haben, ist nicht jeder. Oft reicht das Gehalt für ein sorgenfreies Leben hinten und vorne nicht. So muss der Staat Hunderttausenden Menschen in Deutschland mit dreistelligen Milliardensummen die Grundsicherung leisten. Tendenz steigend!

Man geht arbeiten, dennoch reicht das Geld zum Leben nicht aus.
Man geht arbeiten, dennoch reicht das Geld zum Leben nicht aus.  © DPA

So übersprang die Summe, die sogenannte Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem abhängigen Erwerbstätigen erhielt, im vergangenen Jahr knapp die Zehn-Milliarden-Euro-Marke. Im Jahr zuvor waren es 9,85 Milliarden Euro.

Somit sind hunderttausende Aufstocker in Deutschland trotz Arbeit auf Grundsicherung angewiesen. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, auf die die Linke im Bundestag aufmerksam machte.

In den Jahren von 2007 bis 2017 wurden insgesamt über 107 Milliarden Euro an solche Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften gezahlt. Der Wert schwankte zwischen 9 und 10,36 Milliarden Euro und lag seit 2011 unter der Zehn-Milliarden-Euro-Marke.

Eine Bedarfsgemeinschaft umfasst die engsten Familienmitglieder in einem Haushalt, für die das Arbeitslosengeld II gemeinsam berechnet wird.

Sabine Zimmermann spricht im Bundestag.
Sabine Zimmermann spricht im Bundestag.  © DPA

Im vergangenen Jahr gab es im Schnitt 982.089 Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem abhängigen Erwerbstätigen, davon 362.303 mit mindestens einem ausschließlich geringfügig Beschäftigten.

Im Schnitt bekam so ein Haushalt 2017 pro Monat 849 Euro.

Doch warum muss überhaupt so massiv aufgestockt werden? "Die Gesellschaft subventioniert seit vielen Jahren Arbeitgeber, die Niedriglöhne zahlen oder ihren Beschäftigten nur Arbeitsverhältnisse in Teilzeit oder Minijobs anbieten, obwohl viele gerne länger arbeiten würden", erklärte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann (57), der Deutschen Presse-Agentur.

Zudem treibe die Bundesregierung die prekäre Beschäftigung voran, kritisiert Zimmer.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müsse der Mindestlohn erhöht, systematische Niedriglohnbeschäftigung in Form von Leiharbeit unterbunden und Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung überführt werden.


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