Wirt will Internetanschluss: Telekom verlangt eine Million Euro

Idyllisch gelegen, aber leider weder mit Internetanschluss noch im Netz zu finden: "The Cabin" im Harz.
Idyllisch gelegen, aber leider weder mit Internetanschluss noch im Netz zu finden: "The Cabin" im Harz.  © DPA

Oderbrück - Ein abgelegenes Hostel, mitten im Wald, idyllische Ruhe, gemütliche Zimmer, ein netter Wirt. Das klingt doch toll. All das hat Timo Zachers Unterkunft "The Cabin" im Harz. Doch bei Google sucht man vergeblich nach der Hütte. Denn der 32-Jährige hat keinen Internetanschluss.

"Wenn keiner da draußen weiß, dass ich hier bin im Wald, dann kann auch keiner herkommen. Dann kommen nur die vorbei, die das hier sowieso schon als Geheimtipp kennen", erzählt er im NDR-Interview.

Doch Timo führt sein Gasthaus erst seit fünf Monaten. Als er beschloss das Gebäude zu erwerben, kontaktierte er die Deutsche Telekom und schloss einen Vertrag über Satelliteninternet ab. "Doch mir war nicht bewusst, dass das nicht funktioniert", klagt er, während er den Gästen Bier in Krüge zapft.

Den Vertrag kündigte der 32-Jährige sofort. Eine Breitbandleitung sollte her.

Als das Angebot des Telekommunikationsanbieters in seinem Briefkasten landet, traut er seinen Augen kaum.

Kostenpunkt: 'Ne schlappe Million!

Timo Zacher (32) hat sich vor fünf Monaten mit dem Hostel selbstständig gemacht,
Timo Zacher (32) hat sich vor fünf Monaten mit dem Hostel selbstständig gemacht,  © DPA

1.001.898,29 Euro für Internet? Kann doch nur ein Tippfehler sein. "Das war ein sehr formelles, ernst gemeintes Angebot", erzählt Timo und zeigt dem Sender den Brief.

Die Begründung: Mehrere Kilometer Glasfaser müssten verlegt, allerhand technische Einrichtungen installiert werden.

Das kann sich der Wirt selbstverständlich nicht leisten. Doch was tun? Eine andere Möglichkeit online zu gehen gibt es quasi nicht.

Dabei geht es Timo nicht nur darum, über Buchungsplattformen Gäste auf "The Cabin" aufmerksam zu machen, sondern er muss auch mit den Behörden kommunizieren, Meldedaten für die Kurtaxe weitergeben.

"Wenn das Internet hier schlecht ist, kann ich das nicht monatlich abgeben und hätte ich nicht meinen Schwager in Braunschweig, der das für mich gemacht hat, wäre ich wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt worden", erzählt Timo.

Der Sender hakt beim Landkreis nach, der eigentlich Millionen für den Netzausbau zur Verfügung gestellt bekam. "Uns sind die Hände gebunden, weil wir nicht mit Steuergeldern einem Wirtschaftsunternehmen verhelfen können, dort einen einzigen Anschlusseigner zu bekommen", rechtfertigt Maximilian Strache die Situation.

Timo Zacher muss sich nun also mit seiner Entscheidung, einen Gasthof in der Einöde eröffnet zu haben, zufrieden geben.

Ein Vorteil: "Die Gäste genießen es, die Handys mal zur Seite zu legen"


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