Ein Kultfilm lässt die Sachsen nicht los

Nicht nur ein einfacher Schuh, sondern zauberhafter Herzensstoff.
Nicht nur ein einfacher Schuh, sondern zauberhafter Herzensstoff.

Von Anneke Müller

Prag - Der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (1973) ist der Weihnachtskultfilm schlechthin. Er beschert Fernsehsendern zu Weihnachten märchenhafte Einschaltquoten. Kostüme und Requisiten sind mittlerweile zum Heiligtum geworden. MOPO24 durfte einen Blick hinter die Kulissen in den Barrandov Studios werfen, wo Aschenbrödels Vergangenheit bewahrt wird.

In Glasvitrinen sind Aschenbrödels Ballkleid, das glitzernde Brautkleid und ihre Schuhe zu bewundern. Sogar die feinen Handschuhe liegen hier aus.

Seit ein paar Monaten erst können Besucher die Dauerausstellung zu dem Märchen und anderen Streifen (wie „Amadeus“ oder „Pan Tau“) besuchen, die in Barrandov gedreht wurden.

„Zehntausende waren schon in der Ausstellung“, sagt Vera Kratka, Chefin des Kostüm- und Requisitenfundus, während sie eine schwere eiserne Tür aufschließt, um die verborgenen Schätze zu zeigen.

Vera Kratka, Chefin des Kostümfundus, inmitten ihrer Schätze.
Vera Kratka, Chefin des Kostümfundus, inmitten ihrer Schätze.

Tausende Kostüme hängen dort, geordnet nach Epochen. 250 000 sind es insgesamt, Doubletten nicht mitgezählt. Die Kleider, Hüte und Anzüge müssen gepflegt werden, ebenso wie die Möbel, die schon vor 43 Jahren im Aschenbrödelfilm genutzt wurden und die sich ebenso hinter einer schweren Tür verborgen halten.

Insgesamt 50 Menschen arbeiten im Fundus von Tschechiens „Hollywood“ (gegründet 1931). Darunter zwölf Schneider - in ihren Räumen wurden Aschenbrödel und ihr Prinz einst eingekleidet.

Dass die Kostüme damals zu luftig für den winterlichen Dreh waren, ist nicht Fehler des Kostümbildners Theodor Pistek gewesen.

„Der Film sollte eigentlich im Frühling gedreht werden, aber die DEFA hatte im Winter gerade Kapazitäten frei“, sagt Vera Kratka.

Außer in Babelsberg und Moritzburg wurde auch auf dem Wasserschloss Svihov und im Böhmerwald in der damaligen Tschechoslowakei gedreht, nie aber direkt in den Barrandov Studios.

In den 14 Ateliers und auf einer Fläche von 9248 Quadratmetern wurden aber insgesamt fast 3000 tschechische und ausländische Filme gedreht.

Informationen zur Ausstellung unter www.barrandov.cz/en . Führungen (in englischer Sprache) auf Bestellung unter Prohlidky@barrandov.cz

Die erste Filmrolle war gleich ein Riesenerfolg.
Die erste Filmrolle war gleich ein Riesenerfolg.

MOPO24-Reporterin Anneke Müller traf außerdem den Hauptdarsteller aus dem Aschenbrödel-Film.

Pavel Travnicek (65) ist Aschenbrödels Prinz auf Lebenszeit! Die Frauen winken ihm auf der Straße zu, schicken Küsschen per Hand. Wo er auftaucht, wollen Fans ein Autogramm.

Dabei ist es fast 43 Jahre her, dass er in Vaclav Vorliceks Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (1973) die schöne Libuse Safrankova (heute 62) eroberte.

Im legendären Café Slavia in Prag durfte ich den Prinzen treffen. Noch immer flaniert er mehr, als dass er geht. Lächelt in alle Richtungen. Schüttelt Hände, die sich ihm entgegenrecken. Er liebt die Rolle des schönen Prinzen - bis heute.

„Ich kann spielen, was ich will, ich bleibe immer der Prinz. Das hält mich jung“, sagt Pavel Travnicek, der gerade im August die 29-jährige Schauspielerin Monika Fialkova heiratete.

Der „ewige Prinz“ auch nach 43 Jahren: Pavel Travnicek vor märchenhafter Prager Kulisse.
Der „ewige Prinz“ auch nach 43 Jahren: Pavel Travnicek vor märchenhafter Prager Kulisse.

Heute hat er ein eigenes Theater, nach seiner großen Rolle wirkte er noch in zahlreichen Serien und Märchenfilmen mit. Er spricht gern über den Aschenbrödel-Streifen: „Es war meine erste Filmrolle. Vorlicek wählte mich aus unzähligen Kandidaten aus. Ich konnte es kaum glauben.“

Einfach war der Einstieg ins Filmgeschäft für den damaligen Schauspielschüler nicht. Travnicek musste erst einmal Reiten lernen. Zudem wurde sein mährischer Slang in der eigenen Sprache synchronisiert. „Darüber habe ich mich nicht geärgert. Ich war halt noch sehr unerfahren.“

An die Filmkollegen aus der DDR erinnert er sich gern: „Sie waren so hilfsbereit und offen. Mit König Rolf Hoppe habe ich mich auf Anhieb toll verstanden.“

Mopo-Reporterin Anneke Müller (rechts) bekam eine Audienz mit dem Märchenprinzen.
Mopo-Reporterin Anneke Müller (rechts) bekam eine Audienz mit dem Märchenprinzen.

Worunter alle Schauspieler der deutsch-tschechischen Produktion gemeinsam litten: „Es war minus 15 Grad. Die Dreharbeiten fanden fast ausschließlich draußen statt, wir haben permanent gefroren. Und dauernd wehte der Kunstschnee von den Bäumen“, erzählt der Prinz, während er mit einem charmanten Blick zwischendurch mal eben ein Autogramm gibt - und seine Popularität sichtlich genießt.

„Ein Schauspieler muss berühmt sein“, lacht er. „Nur so ist ihm der Erfolg sicher.“ Dass der Aschenbrödel-Streifen so erfolgreich würde, „ahnte ja damals kein Mensch“.

Travnicek: „Es ist ein einfaches Märchen, gefilmt ohne viele Tricks und mit einer guten Portion Humor. Das kommt an.“ Er könnte sich vorstellen, noch einmal mit „Libuska“ in einem Fortsetzungsstreifen aufzutreten, in dem sich Prinz und Prinzessin nach 43 Jahren noch einmal treffen.

„Ich würde sofort zusagen.“ Beide haben noch immer Kontakt, schicken sich hin und wieder Nachrichten. Pavel Travnicek: „Ich denke, dass sie wieder gesund wird. Sie ist auf einem guten Weg dahin.“

Bevor er sich verabschiedet, verspricht er: „Zur Aschenbrödel-Ausstellung nach Moritzburg plane ich zu kommen. Die ist ja zum Glück nicht draußen bei 15 Grad Kälte...“

Fotos: imago, Holm Helis


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