Compact-Stand auf Buchmesse: Security soll Fotografen attackiert haben

Der Stand von Compact auf der Leipziger Buchmesse 2016. In diesem Jahr soll es nicht so einfach gewesen sein, den Messe-Auftritt des Magazins zu fotografieren.
Der Stand von Compact auf der Leipziger Buchmesse 2016. In diesem Jahr soll es nicht so einfach gewesen sein, den Messe-Auftritt des Magazins zu fotografieren.  © Ralf Seegers

Leipzig - Das Thema Pressefreiheit ist auf der Leipziger Buchmesse allgegenwärtig. Doch ausgerechnet dort sollen Journalisten in diesem Jahr eingeschüchtert und an ihrer Arbeit behindert worden sein - von Sicherheitsleuten des Magazins "Compact".

Das als rechtspopulistisch geltende Magazin hatte seinen Messestand in der Halle 5. Dort soll das Compact-Sicherheitspersonal auch aktiv gewesen sein. Davon berichtet der Blog "Störungsmelder" auf "ZEIT ONLINE". Als Sicherheitspersonal waren sie dabei aber nicht gekennzeichnet.

So knöpfte sich die Compact-Security am Samstag einen Journalisten vor. Dieser hatte Fotos von einer Compact-Lesung im Sachbuchforum gemacht und außerdem den Messestand und ausliegende Magazine fotografiert. Den Schilderungen des Blogs zufolge bedrängten die Sicherheitsleute den Mann und forderten ihn auf, die Fotos zu löschen.

Als der Fotograf auf seinen Status als Journalist verwies und ein paar Schritte zurücktreten wollte, gingen die Männer auf ihn los. Sie nahmen den Mann in den Schwitzkasten, schlugen auf seine Kamera ein und zerrten ihn aus einem Seiteneingang der Halle.

Am Tag zuvor sollen sich ähnliche Szenen abgespielt haben. Am Rande einer Diskussionsrunde des Magazins schüchterten die Sicherheitsleute zwei Fotografen ein. Einer gab sofort auf, der andere wurde von den schwarz gekleideten Männern minutenlang durch die Halle verfolgt. Schließlich erklärte er sich bereit, seine Fotos zu löschen. Nach eigenen Angaben hatte der als Journalist angemeldete Fotograf nur die Personen auf der Bühne und den Compact-Stand abgelichtet.

Die Compact-Geschäftsführung wollte laut "Störungsmelder" keine Stellungnahme zu den Vorfällen abgeben. Die Leipziger Messe erklärte dagegen auf Anfrage des Blogs, dass das Sicherheitspersonal von Standbetreibern außerhalb der Ausstellungsfläche keine Weisungsbefugnis habe. Man nehme die Vorfälle sehr ernst und rate den Betroffenen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, so die Leipziger Messe weiter.

Alle Journalisten ließ das Compact-Magazin aber nicht verscheuchen. "Störungsmelder" zufolge berichtete Sven Liebich ausführlich über die Veranstaltungen von Compact. Der Mann aus Halle gilt als fremdenfeindlicher Aktivist und Ex-Neonazi.


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