Jahrhundertprojekt in Hamburg: Hauptbahnhof soll an drei Seiten wachsen

Hamburg - Den Hamburgern steht ein weiteres Großprojekt bevor. Der Hauptbahnhof ist dem Fahrgastansturm kaum noch gewachsen und soll innerhalb des kommenden Jahrzehnts deutlich umgebaut und erweitert werden.

Der Hamburger Hauptbahnhof ist der mit den meisten Fahrgästen in ganz Deutschland.
Der Hamburger Hauptbahnhof ist der mit den meisten Fahrgästen in ganz Deutschland.  © dpa/Axel Heimken

Täglich nutzen im Schnitt 550.000 Menschen den Hamburger Hauptbahnhof.

Dafür ist das 1906 eröffnete Gebäude nicht ausgerichtet. Der zentrale Verkehrsknotenpunkt platzt seit Jahren aus allen Nähten.

Besonders deutlich wurde das im Sommer, als zwei Baustellen ein großes Chaos für Pendler anrichteten.

Um die Lage in den Griff zu bekommen, wollen Stadt und Bahn, den Hauptbahnhof erweitern und umbauen.

Dazu soll in den kommenden Jahren die Basis geschaffen werden, machten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Donnerstag bei einem Ortstermin deutlich.

Bis 2020 sollen die folgenden drei zentralen Ideen in einem internationalen Wettbewerbsverfahren konkretisiert werden:

  • An der Steintorbrücke soll das bestehende Bahnhofsgebäude erweitert werden. Vorgesehen sind neue Bahnsteigzugänge und eine Kommunaltrasse auf dem Steintordamm mit Überdachung. Bis auf Taxis und den öffentlichen Nahverkehr sollen Fahrzeuge verbannt werden.
  • Das Gleisfeld an der Nordseite des Hauptbahnhofs bis zur Ernst-Merck-Straße soll einen Deckel bekommen. Hier ist eine Neubebauung sowie Parkplätze für Taxis vorstellbar.
  • Zwischen Nord- und Südsteg soll eine überdachte Passage entstehen, die den Hauptbahnhof bis zu 15 Meter in Richtung Kirchenallee erweitert. Für die wegfallenden Parkplätze soll eine Lösung gefunden werden.

Was dort genau entstehen könnte, soll laut Stadt und Bahn im Wettbewerbsverfahren entwickelt werden.

Zwei kurzfristige Maßnahmen geplant

Der Hamburger Hauptbahnhof wird 2030 vermutlich an drei Seiten erweitert sein.
Der Hamburger Hauptbahnhof wird 2030 vermutlich an drei Seiten erweitert sein.  © dpa/Markus Scholz

Bereits jetzt ist klar, dass eine Fertigstellung vor 2030 schwierig wird. Bürgermeister Peter Tschentscher nennt es ein "Jahrhundertprojekt". "Der Hauptbahnhof soll für die nächsten 100 Jahre fit gemacht werden", sagte Tschentscher.

Was das alles kosten soll, ist völlig unklar. Zur Finanzierung machten Bahn und Stadt keine Angaben. Erst nach dem Wettbewerbsverfahren sollen konkrete Zahlen genannt werden.

Nur so viel ist klar: Der Bund soll mithelfen. Angesichts des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) als neuem Bundesfinanzminister, habe die Stadt vermutlich gute Karten, meint Ronald Pofalla.

Der für die Infrastruktur zuständige Bahnvorstand kündigte zwei kurzfristige Maßnahmen an, die für Entlastung sorgen sollen:

  • Am Bahnsteig der Gleise 13 und 14 sollen die Aufbauten, also Kiosk, Fahrscheinautomaten und Bahn-Aufsichtshäuschen, verschwinden. Hier sei man aber an Verträge gebunden. Die Umsetzung soll laut Pofalla aber 2019 erfolgen.
  • Außerdem soll es innerhalb der kommenden drei Jahre zwei neue Zugänge von der Steintordammbrücke auf den Bahnsteig geben.

Damit ist aber nur dem Fernverkehr geholfen. Die Nachfrage, ob auch die Aufbauten auf dem zu Stoßzeiten überfüllten S-Bahnsteig entfernt werden sollen, verneinte Pofalla.

Titelfoto: dpa/Axel Heimken


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