Chemnitzer Hausfrau klagt gegen Weltkonzern

Bei DM kostet der verdächtige Lack derzeit 4,55 Euro.
Bei DM kostet der verdächtige Lack derzeit 4,55 Euro.

Von Steffi Suhr

Chemnitz/dresden - Das muss sich Frau sich erstmal trauen! Mandy Z. (48) aus Chemnitz verklagte den Weltkonzern L’Oreal! Die sächsische Hausfrau rang dem Kosmetik-Multi gestern im Oberlandesgericht (OLG) Dresden 2300 Euro ab. Denn: Der Lack war ab ...

„Ich lackierte mir abends die Fingernägel, wie immer“, berichtete die zweifache Mutter. Diesmal mit „Scarlet Vamp“ (4,55 Euro) von L’Oreal. „Am nächsten Morgen habe ich die Wohnung geputzt. Plötzlich fiel mir auf, dass ich Spuren hinterlasse. Ich war total erschrocken.“

Badewanne, Kühlschrank, Nachttische und eine Wand - überall hatte sich der Abrieb des Lackes verteilt. „Als ich bei der Hotline der Firma anrief, wurde mir erklärt, ich hätte Überlack nutzen sollen“, sagt Mandy Z.

Am Oberlandesgericht Dresden ging es gestern um Nagellack - bislang einmalig in der Geschichte des hohen Hauses.
Am Oberlandesgericht Dresden ging es gestern um Nagellack - bislang einmalig in der Geschichte des hohen Hauses.

„Davon stand weder was dran, noch wurde mir das im Laden erklärt. Im Übrigen habe ich zur Probe danach Überlack benutzt. Das Ergebnis blieb gleich. Der Lack rieb einfach ab.“

Ärgerlich: „Die Schleiflack-Möbel aus der Jahrhundertwende und die Wanne aus Kunststoff lassen sich natürlich nicht ohne Beschädigung reinigen. Und die Wand muss auch neu gestrichen werden.“

Mutig verklagte die Hausfrau den Weltkonzern auf 6000 Euro Schadenersatz (sogenannte Produkthaftung). Zwar lehnte das Chemnitzer Landgericht ihre Klage ab, doch die Sächsin zog vors OLG.

Dort hörten sich gestern Martina Hantke (52), Chefin des 8. Senates, und ihre beiden Kollegen die Sächsin an. „Die Zeugin ist glaubhaft“, resümierte die Richterin. „Und die Schäden sind unschön.“

An den Anwalt des Weltkonzerns gerichtet: „Wir könnten nun Gutachten zum Lack einholen. Aber vielleicht lässt sich die Sache einvernehmlich ohne große Kosten klären.“

Tatsächlich: L’Oreal zahlt nun 2300 Euro an Mandy Z. - der Kampf David gegen Goliath hat sich gelohnt!

Fotos: Petra Hornig, Roland Halkasch, PR


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