1,5 Millionen Deutsche haben Hautkrebs: Kann unsere Haut gerettet werden?





Braune Haut gilt als Schönheitsideal. Der beste Schutz vor Sonnenbrand ist 
eine gesunde Selbsteinschätzung.
Braune Haut gilt als Schönheitsideal. Der beste Schutz vor Sonnenbrand ist eine gesunde Selbsteinschätzung.  © 123RF

Dresden - Krebs trotz Sonnencreme klingt paradox, ist es aber nicht. Derzeit arbeitet die Wissenschaft auf Hochtouren, um möglich zu machen, was jetzt noch unmöglich ist. Die Produkte, die DNS-Schäden nach dem Sonnenbad reparieren, kommen in wenigen Jahren auf den Markt.

Für einen tollen, gebräunten Teint das Antlitz in die Sonne halten - aber besser nicht zu lange. Dermatologe Uwe Wollina (61) weiß, warum: „Unsere Sonnencremes weisen Schutzlücken auf.“ Die handelsüblichen Produkte schützen zwar vor UVA und UVB, schirmen aber weder Infrarot noch sichtbares Licht ab. „Beides kann Zellschäden auslösen“, sagt Professor Wollina, Chefarzt der Dermatologie vom Friedrichstädter Krankenhaus in Dresden.

Aalen ohne Reue? Ein Irrtum, der maligne enden kann. Mit Lichtschutzfaktor 50 verlängern besonders hellhäutige Sonnenanbeter zwar ihre Eigenschutzzeit von zehn Minuten auf acht Stunden. Zugleich steigt aber das Hautkrebsrisiko durch längerwelliges Licht proportional. Deshalb suchen Wissenschaftler jetzt nach neuen Inhaltsstoffen.

Eine heiße Spur verfolgen die Forscher bereits. Erdbeeren, Kurkuma und Olivenöl haben es wohl in sich. „Die speziellen Moleküle neutralisieren freie Radikale“, sagt Experte Wollina. Erstaunlich: Die Enzyme Photolyase und Endonuklease reparieren sogar durch Sonne verursachte Erbgut-Schäden. „Diese aktiven Verbindungen versucht man nun in Sonnenschutzpräparate einzuarbeiten.“

Haut-Experte Prof. Uwe Wollina, Chefarzt der Dermatologie im Friedrichstädter 
Krankenhaus rät zum Sonnenhut.
Haut-Experte Prof. Uwe Wollina, Chefarzt der Dermatologie im Friedrichstädter Krankenhaus rät zum Sonnenhut.  © Norbert Neumann

Hautarzt Wollina ist optimistisch. Schon in zwei Jahren könnten die neuen Produkte auf dem Markt sein. Bis dahin ab in den Schatten. Doktor Wollina rät zu Sonnenhut und schützender Kleidung, um die Nachteile der Sonnencremes auszugleichen.

Am wichtigsten ist aber der Sonnenschutz in der Kindheit. Stubenhocker sind da klar im Vorteil. Denn: „In den ersten zehn Jahren haben wir 70 Prozent der gesamten Sonneneinstrahlung unseres Lebens abbekommen“, so Wollina.

Derzeit sind 1,5 Millionen Menschen in Deutschland von Hautkrebs betroffen. Männer haben die Nase vorn, erkranken sechsmal häufiger als Frauen, wie die Berufsgenossenschaften anhand der gemeldeten Fälle bestätigen. Der Grund ist einfach: Ob Landwirtschaft oder Bauindustrie, das starke Geschlecht arbeitet mehr unter der Sonne.

Weißer Hautkrebs überwiegt mit 80 Prozent. Auch Basaliom genannt, steigt die Häufigkeit sogar. Schuld sind Rauchen, Solariumbesuche - und womöglich die gestiegene Reiselust. „Wir halten uns mehr im Freien auf, wandern viel im Gebirge, fahren öfter an die See.“ Die Bayern, die sich Sommer wie Winter in den Alpen tummeln, führen hierzulande die Hautkrebs-Liste an, dicht gefolgt von Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg. Die Sachsen liegen in der hinteren Mitte, noch vor Berlin.

Was den schwarzen Hautkrebs betrifft, sehen die offiziellen Zahlen von 2012 für Sachsen fantastisch aus. Beim malignen Melanom rangiert der Freistaat an der letzten Stelle. Durch Aufklärungsarbeit und Vorsorgeuntersuchungen hat sich die Zahl in den vergangenen Jahren eingepegelt.

Ob die Strahlenintensität ebenso konstant geblieben ist oder weiter steigt, ist aber unklar. Vom Ozonloch redet inzwischen niemand mehr ...

Gesund Ernähren: Vitamin C (Orangen) und Betacarotin (Möhren) bereiten die Haut 
auf die Sonne vor.
Gesund Ernähren: Vitamin C (Orangen) und Betacarotin (Möhren) bereiten die Haut auf die Sonne vor.  © 123RF
Für zarte Babyhaut ist ein hoher Sonnenschutz besonders wichtig. Kinder 
können Pigmente noch nicht ausreichend produzieren.
Für zarte Babyhaut ist ein hoher Sonnenschutz besonders wichtig. Kinder können Pigmente noch nicht ausreichend produzieren.

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