Straßen-Umbennenung in Heidenau: Sachsen diskutiert wieder über Ernst Thälmann

Heidenau - Der erfolgreiche AfD-Antrag zur Umbenennung der Ernst-Thälmann-Straße in Heidenau beflügelt zwei Debatten: Darf mit der Partei gestimmt werden? Und: Wie kontaminiert ist der Name des Kommunisten?

Die Ernst-Thälmann-Straße zu DDR-Zeiten. Nach der Wende wurde sie in Wilsdruffer Straße umbenannt.
Die Ernst-Thälmann-Straße zu DDR-Zeiten. Nach der Wende wurde sie in Wilsdruffer Straße umbenannt.  © Arno Helzel

Der Linke-Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat eine klare Haltung: Der AfD-Vorstoß sei ideologisch motiviert.

"Ernst Thälmann war einer der prominentesten Gegner des deutschen Faschismus, der in Teilen der AfD zu neuer Stärke kommt", so der Kreisverband. Und der Heidenauer Bürgermeister Jürgen Opitz (63) schüttelt über den Rats-Beschluss nur den Kopf, obwohl er CDU-Mann ist.

Die CDU-Fraktion sah das anders: Trotz Verbots der Bundes-Partei verhalf sie dem Heidenauer AfD-Antrag zum Erfolg; auch sonst stimmen CDU und AfD in Sachsen auf kommunaler Ebene gern gemeinsam.

Zuletzt Ende September in Bautzen, als es um die Wahl eines AfD-Mannes zum Vize-Landrat ging. Oder in Zwickau, wo man im August im neuen Stadtrat gleich zweimal vereint stimmte.

Viele andere Beispiele in Sachsen

Kommunist Ernst Thälmann als Denkmal zu DDR-Zeiten auf der Prager Straße in Dresden.
Kommunist Ernst Thälmann als Denkmal zu DDR-Zeiten auf der Prager Straße in Dresden.  © Gerhard Hammer

Dabei sind Straßenumbenennungen eigentlich Folklore der Nachwendezeit:

Aus der Chemnitzer Wilhelm-Pieck-Straße (einziger Präsident der DDR) wurde wieder die Theaterstraße. Die Ernst-Thälmann-Straße wurde, wie vor 1933, wieder zur Reitbahnstraße.

In Dresden wurde aus der Thälmann-Straße die Wilsdruffer, der Thälmannplatz wieder zum Strehlener Platz. In Leipzig wurde aus der Thälmann- die heute berüchtigte Eisenbahnstraße. Die Chemnitzer Friedrich-Engels- wurde wieder zur Fürstenstraße, der Leipziger Karl-Marx- wieder zum Augustusplatz.

Die AfD Heidenau hat den Reigen wiederbelebt. Zumindest fürs Erzgebirge heißt es dazu: Ähnliche Anträge in Ratsfraktionen der Region seien nicht bekannt und nicht geplant, so der Landtagsabgeordnete Torsten Gahler (45). Auch nicht in seiner Thalheimer Stadtratsfraktion. Anderswo kann es aber passieren, was auch der Landesverband begrüßen würde, so AfD-Sprecher Andreas Harlaß (57). Schließlich sei Thälmann ein "Stalinist" und "Nicht-Demokrat" gewesen.

2017 hieß es zum Thema: "Jede Umbenennung bestehender Straßen aber kostet nicht nur Steuerzahlergeld, sondern schädigt auch ansässige Firmen, die ihre komplette Geschäftsausstattung anpassen müssen", sagte damals AfD-Landesvize Thomas Hartung (57) zu einem Antrag der Chemnitzer Linken für mehr Frauennamen. Bei Thälmann spielt das nun offenbar keine Rolle mehr.

Der Heidenauer Bürgermeister Jürgen Opitz (63, CDU).
Der Heidenauer Bürgermeister Jürgen Opitz (63, CDU).  © Marko Förster
Noch hängen die Schilder: Die Heidenauer Ernst-Thälmann-Straße wird umbenannt.
Noch hängen die Schilder: Die Heidenauer Ernst-Thälmann-Straße wird umbenannt.  © Petra Hornig
Die Heidenauer Ernst-Thälmann-Straße.
Die Heidenauer Ernst-Thälmann-Straße.  © Petra Hornig

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