Nix mit Helau! Über diese elf Dinge können Karnevalisten gar nicht lachen

Dresden - Helau! Die närrische Saison strebt ihrem Höhepunkt entgegen. Sachsens größter Straßenfasching wird am heutigen Sonntag in Radeburg gefeiert.

Eigentlich sind Karnevalisten Frohnaturen, die alle Herausforderungen des Lebens locker nehmen. Doch nicht nur überbordende Bürokratie drückt ihnen mitunter schwer aufs Gemüt...
Eigentlich sind Karnevalisten Frohnaturen, die alle Herausforderungen des Lebens locker nehmen. Doch nicht nur überbordende Bürokratie drückt ihnen mitunter schwer aufs Gemüt...  © 123RF

Bis Aschermittwoch lassen es die Karnevalisten aber auch andernorts in Sachsen noch mächtig krachen.

Die Elferräte und ihre Gefolgschaften investieren in die Organisation des friedlichen Frohsinns jedes Jahr aufs Neue - neben viel Zeit und Energie vor allem Nerven.

Lust & Frust liegen für die Narren manchmal eng beieinander. Hier elf Dinge, über die Sachsens Karnevalisten gar nicht lachen können...

Auflagen

Die Behörden schauen bei Straßen-Umzügen, Großzelt- oder Saalveranstaltungen ganz genau hin. Sicherheit, Ordnung, Brand- und Lärmschutz, Müllentsorgung, Jugendschutz, Versicherungen.... Eine Latte an Vorschriften und Geboten müssen die ehrenamtlichen Veranstalter beachten, bevor die Sause starten kann.

Missachtung

Am 11.11. und die Tage vor Aschermittwoch rückt der Fasching in den Fokus. Den Rest des Jahres spricht kaum einer von den Klubs. Michael Rohde (46), Sprecher des Verbandes Sächsischer Carneval: "Das ist extrem ungerecht. Karnevalsvereine leisten das ganze Jahr über exzellente Jugendarbeit. Bis zu dreimal pro Woche trainieren zum Beispiel allein manche Garden für ihr Showprogramm."

Nachwuchsnot

Gestandene Silberrücken lenken das Gros der Karnevalsvereine. Die Jugend kommt gern zu deren Partys, hat aber wenig Bock auf die organisierte Brauchtums-Pflege und die aufwendige Vorbereitung einer Session. Die Karnevalisten buhlen eifrig um Nachwuchs und stehen dabei in direkter Konkurrenz mit Feuerwehr, Sport, Musik, Kirche & Co.

Gasthof-Sterben

Dass der Pleitegeier über der Gastronomie kreist, finden Jecken alles andere als lustig. Denn ein Karnevalsclub steht vor dem Aus, wenn er seinen Saal verliert. Die Großhennersdorfer Narren können davon ein Lied singen. Gleich zweimal wurde ihr Klub GKC in der jüngsten Vergangenheit obdach- und damit heimatlos. Seit 2007 bespaßt der GKC nun die Massen im örtlichen Begegnungszentrum.

Fettnapf-Falle

Die Narren halten der Gesellschaft einen Spiegel vor. Sie rügen, reißen Possen, sparen nicht mit Spott und Hohn. In Zeiten politischer Korrektheit und einer gespaltenen Gesellschaft ist das jedoch ein Ritt auf der Rasierklinge. So hagelte es jüngst deutschlandweit Kritik für den Jahnsdorfer Carnevalsverein. Er warb auf Flyern mit Soldaten in Nazi-Uniform für eine Party. Der PR-Gag ging komplett nach hinten los.

Konfetti-Verbot

In dieser Session herrscht in fast allen Kölner Karnevalssälen absolutes Konfetti-Verbot! Die bunten Schnipsel, die Freude versprühen, haben keine Lobby mehr. Im sächsischen Straßenfasching gab es auch schon öfters Knatsch ums Papier. Etwa in Bad Muskau und Eilenburg. Im Kern ging es am Ende immer um die Reinigungskosten.

Paar-Probleme

180 Faschingsvereine mit gut 20.000 Mitgliedern gibt es in Sachsen. Eine Macht! Trotzdem fällt es vielen Vereinigungen immer schwerer, jede Saison ein Prinzenpaar zu finden. Potenzielle Potentaten lehnen immer öfter eine Regentschaft ab, weil sie den Zeitaufwand scheuen, der damit verbunden ist.

#MeToo

Die Debatte um sexuelle Belästigung und Übergriffe hat Spuren hinterlassen und kecke Jecken verunsichert. Im Fasching herrscht Kussfreiheit!? Im Trubel eine Armlänge Abstand zu halten, gelingt kaum jemandem...

Gebühren, Gesetze, Gerichte

Die Präsidenten von Karnevalsvereinen stehen immer mit einem halben Bein im Knast, heißt es. Törichtes Verhalten oder Narreteien können sie sich im Ehrenamt nur in der Bütt leisten. Alles andere kann sie teuer zu stehen kommen.

Hier wird Fasching gefeiert!

• Der Umzug in der Zillestadt Radeburg startet 14 Uhr (ab Bahnhof). Motto des Radeburger Carnevals Club (www.rcc-radeburg.de): „Willkommen beim Tatort RABU“.

• Sechs Faschingsvereine ziehen ab 14 Uhr durch Geising/Altenberg. Trubel ist auch beim Geisinger Ski- & Eisfasching angesagt. Danach wird das Festzelt am Gründelstadion gerockt.

• In Cunnersdorf (bei Königstein) startet 14 Uhr der Faschingsumzug am Sägewerk.

• Der 102. Ski-Fasching und Karnevalsumzug in Oberwiesenthal beginnt 13 Uhr.

• Der Karnevalsumzug in Groitzsch rollt 14.30 Uhr los. In Leisnig, Leipzig und Schirgiswalde geht's bereits 14 Uhr los.

• Morgen am Rosenmontag tanzen närrische Junge und Alte bei Umzügen durch Wittichenau (ab 13.30 Uhr) und Eilenburg (ab 14 Uhr).

• Am Dienstag wird in Sebnitz ein Umzug als Höhepunkt des 101. Buchbergfasching stattfinden (Start 14 Uhr). Anschließend wird in der Stadthalle Kinderfasching zelebriert.

Titelfoto: 123RF

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