Nach Mordanschlag auf Rockerboss: Mutmaßlicher Schütze gefasst

Hamburg - Das wäre ein Ding! Wegen eines Rechenfehlers muss der im Juni beendete Prozess um den beinahe tödlichen Schuss auf einen Rockerboss Dariusch F. auf St. Pauli möglicherweise neu aufgerollt werden.

In seinem weißen Bentley wurde Dariusch F. von mehreren Kugeln getroffen.
In seinem weißen Bentley wurde Dariusch F. von mehreren Kugeln getroffen.  © JOTO (Archivbild)

Die zuständige Strafkammer habe die schriftliche Urteilsbegründung einen Tag zu spät auf der Geschäftsstelle des Gerichts vorgelegt, sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch.

Wann das Urteil spätestens vorliegen muss, hängt von der Dauer des Prozesses ab.

"Fakt ist leider, dass die Kammer irrtümlich von einer elfwöchigen Absetzungsfrist ausgegangen war", sagte der Sprecher. Tatsächlich hatte die Kammer aber nur neun Wochen seit der Urteilsverkündung Zeit.

"Es handelt sich um einen sehr ärgerlichen Fehler, der im Grunde nicht passieren darf. Dessen ist sich auch der Vorsitzende der zuständigen Strafkammer bewusst, der den Fehler außerordentlich bedauert."

Die Anwälte des Angeklagten hatten Revision eingelegt und die versäumte Frist sowie die Verwertung eines Beweismittels gerügt. Der Bundesgerichtshof prüft die Revision und entscheidet, ob das Urteil aufgehoben und neu verhandelt werden muss.

Anfang Juni war ein 28-Jähriger wegen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Strafkammer war davon überzeugt, dass der Angeklagte aus dem Gefängnis heraus aus Rache den Mord an dem Rockerboss in Auftrag gegeben hatte.

Mutmaßlicher Schütze sitzt in U-Haft

Der Angeklagte berät sich mit seinem Verteidiger.
Der Angeklagte berät sich mit seinem Verteidiger.  © Christian Charisius/dpa

Im Sommer 2018 war das Opfer kurz vor Mitternacht am Millerntorplatz an einer Ampel in seinem Auto mit fünf Schüssen lebensgefährlich verletzt worden. Das Auto, aus dem heraus geschossen wurde, hatte die Freundin des Angeklagten gefahren. Der Beifahrer und Schütze war zunächst unbekannt.

Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf TAG24-Nachfrage erklärte, sitze ein mutmaßlicher Täter nun bereits seit einigen Wochen in Deutschland in Untersuchungshaft. Er sei von einem anderen Land ausgeliefert worden. Laut NDR soll es sich um Bulgarien handeln.

Ob und wann sie Anklage erheben wird, war zunächst unklar. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Sollte das zeitlich in etwa mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs zusammenpassen, könnten beide Verfahren verbunden werden.

"Das wäre unser Ziel und auch unsere Hoffnung dabei, denn das würde den Mehraufwand der Extrarunde relativieren", sagte der Gerichtssprecher.

Für den Verurteilten hat die Entscheidung des Bundesgerichtshofs zunächst keine Auswirkungen. Er muss so oder so wegen einer anderen Straftat noch bis 2021 im Gefängnis bleiben.

Sollte der Bundesgerichtshof das Urteil aufheben und das Verfahren zurück an das Landgericht Hamburg verwiesen werden, müssen alle Beweismittel neu bewertet und Zeugen erneut gehört werden.

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