Schießerei auf der Eisenbahnstraße - Hells Angels wegen Mordes vor Gericht

Nach der Schießerei im Juni 2016 kommen vier Rocker vor Gericht. Der Vorwurf: gemeinschaftlicher Mord.
Nach der Schießerei im Juni 2016 kommen vier Rocker vor Gericht. Der Vorwurf: gemeinschaftlicher Mord.

Leipzig - Die Leipziger Eisenbahnstraße ist berüchtigt. Als Drogenumschlagplatz. Als Kriminalitäts-Hotspot. Doch was sich vor gut einem Jahr dort zugetragen hat, sprengt den Rahmen alles Gewohnten: Eine Rockerfehde zwischen Hells Angels und United Tribuns eskaliert, es fallen Schüsse. Am Ende ist ein 27-Jähriger tot, zwei weitere Rocker sind lebensgefährlich verletzt.

Am Montag (17.7.) kommen nun vier Ex-Mitglieder der Leipziger Hells Angels vor Gericht - darunter auch der ehemalige Boss der örtlichen Rocker-Gang (TAG24 berichtete). Der Vorwurf: gemeinschaftlicher Mord.

Dem mutmaßlichen Schützen wird zudem versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. 36 Gerichtstermine bis in den Januar 2018 sind angesetzt, mit der Option auf mehr. Bei dem Verfahren gelten nach Angaben des Gerichts verschärfte Sicherheitsvorkehrungen.

Was sich genau am 25. Juni 2016 im Leipziger Osten abgespielt hat, ist immer noch unklar. Die Staatsanwaltschaft will Details bis zum Prozess unter Verschluss halten.

Bisheriger Stand: Ein damals 30-jähriger Hells Angel soll Schüsse auf mehrere Mitglieder des Rocker-Clans United Tribuns abgegeben haben. Die anderen Angeklagten sollen sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit "Gewalttätigkeiten" beteiligt haben. Ihr Ziel: den Tötungsplan vollenden.

Es ging wohl um Rache. Laut Staatsanwaltschaft suchten die Hells Angels wahrscheinlich gezielt die Auseinandersetzung, um sich für einen früheren Übergriff der United Tribuns zu rächen. Das sächsische Innenministerium warnte nach den Schüssen vor weiteren Racheakten. Es bestehe "ein erhöhtes Vergeltungsrisiko durch die United Tribuns", zudem könne es zu wechselseitigen Machtdemonstrationen kommen.

Wie gefährlich Rockerfehden sind, ist den Sicherheitsbehörden bekannt: Erst im Oktober 2016 wurde der Präsident der Gießener Hells Angels auf dem Gelände des Rocker-Vereinsheims erschossen. Im Mai vergangenen Jahres fielen im Frankfurter Rockermilieu Schüsse auf einem belebten Platz mitten in der Innenstadt. Zwei Männer wurden schwer verletzt.

In Leipzig blieb eine weitere Eskalation nach den Schüssen auf der Eisenbahnstraße aus. Ein Trauermarsch von rund 200 Mitgliedern der United Tribuns durch Leipzig verlief im September weitgehend friedlich. Die Leipziger Hells Angels lösten sich auf.

Der mutmaßliche Schütze wurde noch am Tag der Tat festgenommen, kam unmittelbar darauf in U-Haft. Die drei weiteren Angeklagten folgten in den Tagen und Monaten darauf und sitzen bis heute ohne Unterbrechung im Gefängnis - bis auf einen.

Ausgerechnet der Chef der Leipziger Hells Angels kam zwischenzeitlich frei - nur um dann im Winter mit neuem Haftbefehl erneut international gesucht zu werden. Der Tatverdacht habe im Sommer nicht untermauert werden können, verteidigte die Staatsanwaltschaft die zwischenzeitliche Freilassung.

10.000 Euro Belohnung wurden schließlich für Hinweise auf seinen Verbleib ausgesetzt. Und siehe da: Einen Tag später schnappte die Polizei in Wien den als gefährlich geltenden Boss. Einem Großaufgebot von 100 Mann gegenüber ließ er sich Polizeiangaben zufolge widerstandslos festnehmen - in einem Vereinslokal der Hells Angels.

So warten nun alle Angeklagten im Gefängnis auf ihr Verfahren. Zu den Vorwürfen schweigen sie. Das könnte sich bald ändern.


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