Nach fünf Jahren und 300 Verhandlungstagen: Heute endet der Rocker-Prozess!

Berlin - Der Überfall in einem Wettbüro dauert nur 25 Sekunden. Ein 26-Jähriger wird erschossen - vor laufender Überwachungskamera. Das war im Januar 2014. Nun geht der größte Prozess gegen Rocker der Hells Angels in der Hauptstadt zu Ende. Das Landgericht Berlin will am Dienstag (15 Uhr) das Urteil gegen Rocker der Hells Angels verkünden.

Die Verteidiger der Angeklagten stehen vor Prozessbeginn gegen Berliner Hells-Angels-Rocker im Gerichtssaal im Kriminalgericht. (Archivbild)
Die Verteidiger der Angeklagten stehen vor Prozessbeginn gegen Berliner Hells-Angels-Rocker im Gerichtssaal im Kriminalgericht. (Archivbild)  © Matthias Balk/dpa

Das gab der Vorsitzende Richter Thomas Groß am Montag, dem 299. Verhandlungstag, bekannt. Zuvor hatten die zehn Angeklagten die Möglichkeit zu einem letzten Wort nach Ende der Beweisaufnahme und den Plädoyers. Neun der Männer nutzten dies nicht.

Ein 32-jähriger Angeklagter, der bei der Aufklärung des Falls geholfen haben soll, äußerte sich aber. Er sagte, "die ganze Geschichte tut mir unfassbar leid". Es hätte so nicht passieren dürfen. Für die Familie des 26-jährigen Opfers werde es keine Normalität mehr geben, dennoch wünsche er, dass sie "auf irgendeine Weise wieder Fuß fassen kann."

13 teils vermummte Männer waren am 10. Januar 2014 in das Wettspiel-Café in Berlin-Reinickendorf marschiert. Der Mann an der Spitze hielt eine Pistole in der Hand und feuerte auf den jungen Mann im Hinterzimmer.

Monate zuvor soll es eine Schlägerei mit einem verletzten Hells Angels-Rocker gegeben haben, Ermittler gingen von einer Vergeltung aus. Der Anschlag vor laufenden Überwachungskameras dauerte 25 Sekunden.

Angeklagt sind Rocker der Hells Angels. (Symbolbild)
Angeklagt sind Rocker der Hells Angels. (Symbolbild)  © Fredrik von Erichsen/dpa

In dem bislang größten Rocker-Prozess der Hauptstadt hat die Staatsanwaltschaft für acht der Angeklagten auf lebenslange Freiheitsstrafen plädiert. Einer von ihnen gilt als Chef der Gruppierung. Der 35-jährige Kadir P. soll den Anschlag aus Rache in Auftrag gegeben haben. Er sei der Anstiftung zum Mord schuldig.

Für den 32-Jährigen, der Aufklärungshilfe geleistet haben soll, wurden zehn Jahre Haft wegen Mordes beantragt. Im Fall eines Angeklagten, bei dem es ebenfalls um mutmaßliche Anstiftung zum Mord geht, sahen die Staatsanwälte keinen Tatnachweis.

Mehrere Angeklagte hatten sich in der seit November 2014 laufenden Verhandlung geäußert, jedoch einen Tötungsauftrag bestritten. Der Prozess hatte mit elf Angeklagten begonnen. Gegen einen Verdächtigen wird aus gesundheitlichen Gründen gesondert verhandelt. Weitere Verdächtige sollen untergetaucht sein. Nach Angaben von Gerichtssprecherin Lisa Jani wurden in dem Verfahren 346 Zeugen sowie 26 Sachverständige gehört.

Im Saal 500 des Landgerichts gaben sich die meisten Angeklagten am Montag hinter Panzerglas äußerst entspannt, schwatzten miteinander und lachten. Kadir P., der die Tötung in Auftrag gegeben haben soll, winkte in Richtung der Zuschauer und verteilte Kusshände.

Update, 15.35 Uhr

Acht Angeklagte sind zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Landgericht sprach am Dienstag sieben der Männer wegen gemeinschaftlichen Mordes schuldig. Ein 35-Jähriger, der als Rockerchef gilt, wurde wegen Anstiftung zum Mord verurteilt.

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