Hepatitis-A-Welle schockt diese Schwulen-Szene

Das schwul-lesbische Straßenfest, das jährlich eine Woche vor dem CSD in Berlin stattfindet, bietet ebenfalls die Gelegenheit neue sexuelle Bekanntschaften zu schließen. (Symbolbild)
Das schwul-lesbische Straßenfest, das jährlich eine Woche vor dem CSD in Berlin stattfindet, bietet ebenfalls die Gelegenheit neue sexuelle Bekanntschaften zu schließen. (Symbolbild)  © dpa/Stephanie Pilick

Berlin - Clubs, Darkrooms, wilde Partys - die deutsche Hauptstadt gilt als Mekka für Schwule aus aller Herren Länder. Jedoch überschattet eine Serie von Hepatitis-A-Fällen die Szene, die seit Monaten nicht enden will.

Berlin rückt in den Fokus von Hepatitis A. Die eigentlich in Entwicklungsländern weit verbreitete Krankheit wird hierzulande immer präsenter. Wenngleich diese Hepatitis-Form keine Langzeitfolgen für den Menschen besitzen, so sind Symptome, wie Übelkeit, Erbrechen oder eine Gelbfärbung der Haut und Augen, dennoch nicht zu unterschätzen. "Da ist man über Wochen wirklich abgeschlagen, nicht arbeitsfähig," sagte die Expertin für Aids und HIV am Berliner Robert-Koch-Institut, Viviane Bremer.

Das aktuelle Ausmaß in Berlin ist bundesweit außergewöhnlich und alarmierend: Von insgesamt 85 Fällen gehen bislang nachweislich mindestens 54 auf Sex unter Männern zurück, wie Daniel Sagebiel vom Landesamt für Gesundheit und Soziales der Deutschen Presse-Agentur sagte. Diese Ausbruchswelle macht auch vor anderen EU-Ländern keinen Halt.

Das Virus kann beim Sex unter Männern übertragen werden, wenn Fäkalspuren in den Mund gelangen. Kondome bieten da keinen Schutz.

In einem Impfpass wird auf eine Impfung gegen Hepatitis A hingewiesen.
In einem Impfpass wird auf eine Impfung gegen Hepatitis A hingewiesen.  © dpa/Andrea Warnecke

Es gibt eine Impfung, die für Risikogruppen kostenlos ist. "Am wichtigsten ist, die besonders betroffenen Zielgruppen darüber zu informieren, dass sie sich impfen lassen sollten", erklärte Berlins Staatssekretär für Gesundheit, Boris Velter (SPD). Im März seien auf Deutsch und Englisch Anzeigen in Dating-Apps und auf mobilen Webseiten geschaltet worden, um über den Ausbruch und Möglichkeiten zur Vorsorge informieren.

Doch wie die aktuelle Welle der Ausbrüche zeigt, wird das Angebot einer kostenfreien Impfung nicht ausreichend angenommen. "Im Moment sehen wir nicht, dass es weniger wird", sagt Bremer. "Das ist es, was uns etwas beunruhigt."

Oster-Fetischwoche, Pride Weeks im Juli samt dem dazugehörigen Christopher Street Day am 22. Juli - eine Reihe von Events, die laut Experten, die Verbreitung des Virus in den kommenden Wochen begünstigen. Die Gelegenheit für neue sexuelle Kontakte.


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