Mutter stirbt bei Unfall-Drama auf Rastplatz: Welche Strafe erwartet den Todes-Raser?

Darmstadt - Im Mordprozess wegen eines tödlichen Unfalls auf einem Autobahnparkplatz bei Heppenheim in Südhessen sollen am Mittwoch (9 Uhr) möglicherweise die Plädoyers gehalten werden.

Der Mazda der Verstorbenen wurde bei dem Unfall komplett zerstört.
Der Mazda der Verstorbenen wurde bei dem Unfall komplett zerstört.  © dpa/Jürgen Mahnke

Der Angeklagte ohne Führerschein soll im vergangenen Dezember auf der A5 mit einem nicht zugelassenen Auto vor einer Zivilstreife geflüchtet sein.

Dabei soll er mit rund 150 Stundenkilometern auf einen Rastplatz abgebogen und mit einem parkenden Auto kollidiert sein. Eine 39 Jahre alte Frau aus Düsseldorf wurde tödlich, ihr zehnjähriger Sohn schwer verletzt.

Der Angeklagte räumte in dem Prozess die Flucht und die Kollision ein, bestreitet aber eine Tötungsabsicht. Laut Verteidigung schätzte er das Auto falsch ein. Der Fall ist als Mord angeklagt, weil die Staatsanwaltschaft Mordmerkmale erfüllt sieht. Der Angeklagte habe einer Strafe entkommen wollen und in Kauf genommen, dass durch das rasende Auto Menschen sterben.

Anfang März 2019 hatte der Bundesgerichtshof erstmals ein Mordurteil gegen einen Raser bestätigt. 2017 hatte in Hamburg ein vor der Polizei flüchtender Taxidieb einen Menschen getötet.

Das Landgericht Hamburg hatte ihn 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Neun Jahre Haft gefordert

Update 16.57 Uhr: Die Staatsanwaltschaft hat nach dem tödlichen Autounfall neun Jahre Freiheitsstrafe wegen Mordes nach dem Jugendstrafrecht für den angeklagten 19-Jährigen gefordert. Die Verteidiger werteten die Tat am Mittwoch in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Darmstadt dagegen als fahrlässige Tötung.

Das Urteil soll am kommenden Montag (4. November) gesprochen werden. Die Staatsanwaltschaft hielt dem jungen Mann vor, "in letzter Sekunde" mit über 150 Stundenkilometern von der linken Spur auf den Parkplatz eingebogen zu sein, bei nur 64 Metern Bremsweg. Die darauf folgende Kollision wertete sie als Mord, weil der Angeklagte mit der Flucht seine Straftaten Fahren ohne Führerschein, ohne Zulassung und ohne gültiges Nummernschild verdecken wollte.

Die Verteidigung plädierte auf fahrlässige Tötung, weil ihr Mandant der Polizei entkommen, aber die Frau nicht töten wollte. Der 19-Jährige habe die Situation falsch beurteilt und seinen Wagen überschätzt, sagten die zwei Verteidiger. Zudem sei der Angeklagte wegen eines Streits mit seinen Eltern - er hatte der Mutter ihren Schmuck gestohlen und versetzt - psychisch belastet gewesen.

Durch die Flucht habe er weiteren Ärger verhindern wollen. Die Verteidiger legten die Höhe des Strafmaßes "in die Hände" der Jugendkammer.

Der Prozess findet am Landgericht in Darmstadt statt (Symbolbild).
Der Prozess findet am Landgericht in Darmstadt statt (Symbolbild).  © DPA

Titelfoto: dpa/Jürgen Mahnke

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