"Kindersoldaten"-Video: Erste Konsequenzen für Ditib-Gemeinde

Herford - Die Herforder Ditib-Gemeinde erntete in den vergangenen Tagen heftige Kritik, weil sie ein Video veröffentlichte, in dem Kinder im Kampfanzug als Soldaten durch die Moschee marschieren (TAG24 berichtete). Nach einem klärenden Gespräch beim Bürgermeister Tim Kähler (50, SPD) gab es erste Konsequenzen.

Ditib-Vorstandsmitglied Necati Aydin (li.) zog erste Konsequenzen nach den Videoaufnahmen.
Ditib-Vorstandsmitglied Necati Aydin (li.) zog erste Konsequenzen nach den Videoaufnahmen.  © Jobst Lüdeking

"Als Bürgermeister wünsche ich mir ein friedliches Miteinander der Menschen in Herford. Der Aufbau und die Verfestigung von Parallelgesellschaften lehne ich ganz entschieden ab", erklärte Tim Kähler am Donnerstag in einer Stellungnahme (TAG24 berichtete).

Das besprach der 50-Jährige am Freitag mit dem Vorstand der Ditib-Gemeinde, die in Zukunft enger mit der Stadt arbeiten und Konzepte dafür entwickeln möchte. Zudem betonte Vorstandsmitglied Necati Aydin, dass auch der Vorstand "empört" war, so die Neue Westfälische.

Außerdem äußerte sich Ditib-Bundesverband aus Köln zu den Aufnahmen, die in Gedenken an eine etwa 103 Jahre alte Schlacht im Ersten Weltkrieg erinnern sollten.

"Als Bundesverband haben wir gegenüber dem Ortsverein Herford unseren Unmut über die Aufführung gezeigt und die Verantwortlichen aufgefordert, zurückzutreten. Nach Mitteilung des Ortsvereins war der inzwischen zurückgetretene Elternbeauftragte verantwortlich für die Aufführung", hieß es aus Köln.

Herfords Bürgermeister Tim Kähler (50, SPD) reicht eine einfache Entschuldigung nicht aus.
Herfords Bürgermeister Tim Kähler (50, SPD) reicht eine einfache Entschuldigung nicht aus.  © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Für Bürgermeister Kähler ist es mit dem Gespräch aber nicht getan, eine einfache Entschuldigung reiche ihm nicht.

"Die Moscheegemeinde muss das verlorene Vertrauen der Herforder Bürger zurückgewinnen. Da erwarte ich jetzt Vorschläge und Ideen von den Verantwortlichen", so der SPD-Politiker.

Die Polizei berichtete, dass inzwischen neun Anzeigen bei den Beamten eingingen, die wegen der Veröffentlichung der Bilder aufgegeben wurden. "Es sind neun Anzeigen, die derzeit noch bei der Polizei in Herford liegen", sagte eine Polizeisprecherin aus Bielefeld der Zeitung. Der dortige Staatsschutz solle den Vorwürfen nachgehen.

Inzwischen soll auch das Jugendamt eingeschaltet werden, denn das NRW-Familien- und Integrationsministerium schließe eine Kindeswohlgefährdung nicht aus. Minister Joachim Stamp (FDP) fordert deshalb ein Schreib von Ditib mit Antworten zum Vorfall.

Zudem gab's weitere heftige Kritik von Politikern. "Die Stadt Herford sollte - bis auf weiteres - die Zusammenarbeit mit der Ditib-Gemeinde einstellen", sagte zum Beispiel Thomas Beck, Sprecher der Herforder CDU, entsetzt.

Eine militärische Aufführung von Kleinkinder in der Ditib-Moschee sorgt für Diskussion in Herford.
Eine militärische Aufführung von Kleinkinder in der Ditib-Moschee sorgt für Diskussion in Herford.  © Screenshot Facebook AKP Watch

Titelfoto: Jobst Lüdeking/ Frank-Michael Kiel-Steinkamp/ Scre