Ehemann schlägt Frau 14 Jahre lang: Dann hilft ihr ein Zufall

Jahrelang wurde die 36-Jährige von ihrem Ehemann geschlagen. (Symbolbild)
Jahrelang wurde die 36-Jährige von ihrem Ehemann geschlagen. (Symbolbild)  © DPA

Herford - 14 Jahre lang dauerte das Martyrium für die 36-jährige Merima: Ihr Ehemann schlug sie regelmäßig. Seit einem Jahr lebt sie von ihm getrennt im Herforder Frauenhaus.

"Probleme gab es immer. Ich war an allem schuld", erzählt sie gegenüber der Neuen Westfälischen. Sie nahm ihren Mann in Schutz, überschminkte die blauen Flecken.

Von Zeit zu Zeit dachte sie darüber nach, aus der gewalttätigen Beziehung zu fliehen. "Aber dann hat er mir gedroht, mich oder jemanden aus meiner Familie zu töten. Die Angst hat immer gesiegt."

Doch ein gemeinsamer Urlaub im Kosovo, um die Familie zu besuchen, änderte schließlich alles: Mit ihren fünf Kindern waren sie dort. Merima nutzte die Gelegenheit, länger bei ihren Eltern zu bleiben, da ihr Mann aus beruflichen Gründen früher zurück nach Deutschland musste.

"Einen Tag rief er an, schimpfte und sagte: Du weißt, was dich hier erwartet." Ihr Vater bekam das Gespräch zufällig mit. Er forderte eine Erklärung. "Da habe ich ihm alles erzählt." Mit der Unterstützung der Eltern, fasste sie den Entschluss, sich von ihrem Mann zu trennen.

Sowohl ihre Familie als auch Erzieher und Lehrer sowie Bekannte ahnten schon seit längerer Zeit etwas. Zurück in Deutschland führte sie ihr erster Weg zur Polizei. "Was sollte ich machen? Ich wusste nicht, wo ich hin soll. Nur nach Hause, nach Dortmund, wollte ich auf keinen Fall."

Eine Möglichkeit wäre gewesen, dass die 36-Jährige zurück in die gemeinsame Wohnung kehrt und ihr Mann zehn Tage lang nicht dorthin darf. Aber das wollen die wenigsten Frauen, weiß auch Daniela Albrink vom Frauenhaus Herford.

Die Frauenhäuser in NRW sind hoffnungslos überfüllt.
Die Frauenhäuser in NRW sind hoffnungslos überfüllt.  © DPA

Oft halten sich die Männer nicht ans Kontaktverbot. Auf Polizeischutz dürfen die Frauen nicht hoffen. "Gerade die erste Zeit ist sehr gefährlich", erklärt Albrink.

Merima entschied sich dazu, nicht zurück nach Dortmund zu gehen. Sechs Stunden lang rief die Polizei daraufhin in jedem Frauenhaus in NRW an. "Niemand hatte einen Platz für mich und meine Kinder."

Erst durch einen Radio-Aufruf meldete sich eine Flüchtlingsunterkunft. Nach zehn Tagen sagte man ihr, sie könne dort nicht bleiben. "Man sagte mir, dass ich dort ja nicht hingehöre. Ich bin schließlich kein Flüchtling."

Zu diesem Zeitpunkt wurden gerade zwei Zimmer im Herforder Frauenhaus frei. "Das war totaler Zufall. Wir haben Kapazität für acht Frauen mit insgesamt zehn Kindern. Früher hatten wir öfter mal ein Zimmer frei. Heute eigentlich nie", erzählt Albrink. Sämtliche Häuser in NRW sind hoffnungslos überfüllt (TAG24 berichtete).

Bis heute begleitet die Frauenhaus-Mitarbeitern Merima. Aktuell ist sie auf Wohnungssuche. Und die gestaltet sich als Mutter mit fünf Kindern genau wie die Suche nach einem Platz im Frauenhaus mehr als schwierig.

Die 36-Jährige möchte gerne in Herford bleiben. "Hier haben wir uns nun ein Netzwerk aufgebaut. Die Kinder gehen zur Schule, haben Freunde gefunden und Ärzte, denen sie vertrauen."

Durch ihren Mann fällt es ihr und ihren Kindern schwer, Vertrauen aufzubauen. Mittlerweile hat sie allerdings einen Kampfwillen entwickelt. Trotzdem bleibt die Angst: Ihr Ehemann darf die gemeinsamen Kinder ab Dezember nach einem Gerichtsbeschluss wieder sehen.

Aber Merima bleibt stark: "Er kann mir nicht mehr wehtun. Ich war nie schuld."

Titelfoto: DPA


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