Jahresbilanz der JVA offenbart immer mehr Gewalt im Knast

Herford – Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Herford verzeichnet in ihrer Jahresbilanz einen Anstieg der Gewaltdelikte sowie eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber den Justizvollzugsbeamten.

Zum Jahresende zog die JVA Herford Bilanz: Die Gewaltdelikte in dem Gefängnis mehren sich.
Zum Jahresende zog die JVA Herford Bilanz: Die Gewaltdelikte in dem Gefängnis mehren sich.  © DPA

Die JVA in Herford zog Bilanz: Gefängnisdirektor Friedrich Waldmann blickt auf ein Jahr zurück, indem sich die Anzahl der Gewaltdelikte und auch die Respektlosigkeit gegenüber den Angestellten stark erhöht hat, so die Neue Westfälische.

Die Jahresbilanz fand nach der jährlichen Adventsausstellung, bei der Produkte aus den Werkstätten innerhalb des Gefängnisses ausgestellt werden, statt. Nach der Eröffnung der Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Gremium der JVA resümiert.

Das Gefängnis blickt auf ein gewalttätigeres Jahr zurück: Mehr Gewalt unter den Häftlingen bemerkten die Beamten. Auch werden vermehrt jüngere Männer in Untersuchungshaft festgenommen. Dazu verzeichnet die JVA einen erhöhten Zuwachs.

Waren es früher noch 20 Männer in Untersuchungshaft sind es heute bereits an die 75 Insassen.

Zunehmend Häftlinge in Untersuchungshaft

Ein 17-jähriger Gefangener brachte sich Ende November in der JVA um.
Ein 17-jähriger Gefangener brachte sich Ende November in der JVA um.  © DPA

Daraus resultiert ein Rückgang der vollzugsöffnenden Maßnahmen: "Wir verzeichnen viel weniger Gefangene, die geeignet sind, eine Lockerung zu erhalten", so Waldmann.

In rund 48 Fällen wurde wegen der Gewaltdelikte Strafanzeige erstellt, schwere körperliche Auseinandersetzungen blieben jedoch aus. Im Vergleich zum Vorjahr wurde nur etwa halb so vielen Jugendstrafgefangenen Ausgang gewährt (74 Männern) und nur etwa einem Drittel im Vergleich zu 2017 ein Langzeitausgang (58 Männern).

Der Selbstmord eines 17-jährigen Syrers (TAG24 berichtete) wird zurzeit bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft untersucht. JVA-Beiratsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Angela Lück bedauerte den Vorfall: "Das Gremium bedauert den Vorfall sehr und unterstützt die Jugendvollzugsanstalt und den Leiter in jeder Hinsicht", sagte sie. Gesprächsrunden und Gottesdienste sollen ei der Aufarbeitung des Vorfalls helfen.

Der Beirat ist als Bindeglied zwischen Jugendstrafvollzug und der Bevölkerung zu verstehen. Dem Beirat ist es jederzeit möglich die JVA und die Insassen zu besuchen.

"Höflichkeit gilt als Schwäche"

Die Häftlinge im Knast sind zunehmend aggressiver. (Symbolbild)
Die Häftlinge im Knast sind zunehmend aggressiver. (Symbolbild)  © 123RF

Im vergangenen Jahr gab es in Herford 239 Gefangene, im Jahresdurchschnitt 2018 sind es bereits 286 Inhaftierte.

Bis zu 207 Strafgefangene sind dabei permanent im Vollzug. Durch die Verurteilungen des Landesbezirks Dortmund sind 50 Gefangene mehr dazugekommen. Des Weiteren werden jugendliche Straftäter aus der JVA Iserlohn aufgenommen.

"Mit diesem deutlichen Zugang sind wir bei einer stabilen Belegungsquote von etwa 80 Prozent. Der Belegungsdruck wird weniger", sagte der Direktor.

Der Anteil der Gefangenen mit einem ausländischen Pass ist um zwei Prozent zu 2017 angestiegen, also bei 44 Prozent. Besonders auffällig sei dabei das aggressive, respektlose und fordernde Verhalten Inhaftierter aus dem nord-afrikanischen Bereich: "Ein höflicher Auftritt wird hier als Schwäche interpretiert", so der JVA-Leiter.

Es gibt bereits Versuche mit konsequenter Integrations- und Präventionsarbeit den Entwicklungen entgegenzuwirken. Dazu werden permanent Dolmetscher eingesetzt.

In der JVA Herford werden männliche Verurteilte zwischen 17 und 24 Jahren inhaftiert, die durch Gewalt, Diebstahl oder Drogendelikte auffällig geworden sind. Die JVA ist für 355 Gefangene ausgelegt. Durchschnittlich dauert die Inhaftierung zwei Jahre.

Titelfoto: DPA

Mehr zum Thema Polizeimeldungen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0