Das treibt anerkannte Flüchtlinge dazu, in ihre Heimat zurückzukehren

Aus verschiedenen Gründen treten anerkannte Flüchtlinge freiwillige die Rückkehr in ihre Heimat an. (Symbolbild)
Aus verschiedenen Gründen treten anerkannte Flüchtlinge freiwillige die Rückkehr in ihre Heimat an. (Symbolbild)  © DPA

Herford - Es sind Entscheidungen, die den eigentlich anerkannten Flüchtlingen nicht leicht fallen. Und trotzdem wählen einige die Option, Deutschland zu verlassen, um in ihre alte, oft unsichere Heimat zurückzukehren.

Aber woran liegt das? Hussien Khedr, der als Rückkehrberater beim Deutschen Roten Kreuz in Herford arbeitet, kennt die Gründe.

"Der Großteil meiner Klienten sind Menschen mit Bleiberecht. Aber sie haben unterschiedliche Gründe, warum sie Deutschland verlassen möchten. Manche haben in Deutschland nicht gefunden, was sie erwartet haben", erzählt er gegenüber der WDR Lokalzeit OWL.

Ein Beispiel ist Maruan: Vor drei Jahren kam der damals 14-Jährige nach Herford, weil er als Jeside im Nordirak von der IS brutal vertrieben wurde. Er bekam die Aufenthaltserlaubnis. Damit hoffte er, auch seine Eltern und Geschwister nachholen zu können.

Irgendwann gelang es ihm, Vater und Mutter nach Deutschland zu holen - seine Geschwister durften nicht nachziehen. Deshalb fasste die Familie einen schweren Entschluss: Sie traten die Heimreise an.

Der Trennungschmerz war zu groß. "Die Mutter ist fast zweimal pro Tag zu mir gekommen und hat geweint", berichtet Khedr von der schweren Zeit ohne Kinder.

Wenn Geschwister und Kinder nicht nachziehen dürfen, entscheiden sich viele Flüchtlinge dazu, in ihre Heimat zurückzukehren. (Symbolbild)
Wenn Geschwister und Kinder nicht nachziehen dürfen, entscheiden sich viele Flüchtlinge dazu, in ihre Heimat zurückzukehren. (Symbolbild)  © DPA

In ihrer Heimat erwartet die Familie das Flüchtlingslager, in dem auch die vier Töchter in Zelten leben. Als Überbrückungsgeld bekommen sie 2900 Euro. Außerdem werden sie mit warmer Kleidung ausgestattet, weil sie sonst nichts besitzen.

In einem anderen Fall muss eine fünfköpfige Familie zurück nach Mazedonien - ein armes, aber sicheres Herkunftsland. Der Vater wollte in der Bundesrepublik Arbeit finden. Eine Arbeitserlaubnis bekam er nie.

Jetzt verlässt er mit seiner Frau und den drei Kindern mit gerade einmal 250 Euro die neue Heimat freiwillig, bevor sie zwangsabgeschoben werden. Fünf Jahre lang war die Familie hier. Zwei der drei Kinder wurden sogar in Deutschland geboren.

"In den nächsten fünf, sechs Monaten oder in einem Jahr komme ich wieder, um zu arbeiten", erzählt der Vater. Mit einem Arbeitsvisum könnte er tatsächlich legal nach Deutschland zurückkehren.

"Natürlich ist es bei ihm schwieriger als bei einem Arzt oder Ingenieur oder Informatiker, aber es ist einen Versuch wert", findet der Rückkehrberater.

Für ihn ist klar, was seine Aufgabe ist: "Die Familie oder die Personen bei ihrer Entscheidung zu begleiten und ihr Ziel zu erreichen. Das ist meine Aufgabe - nicht nur die Menschen rauszuschmeißen. Das lehne ich total ab!"

Titelfoto: DPA


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