Ausschreitungen bei Berlin-Derby: Hertha-Aufsichtsrat beinahe von Pyro getroffen

Berlin - Diese Niederlage tut den Fans von Hertha BSC richtig weh. Der Hauptstadt-Klub verliert nach einer schwachen Leistung mit 1:0 gegen den Stadtrivalen 1. FC Union Berlin. Über das Spiel spricht danach aber kaum jemand. Das Derby wurde von Ausschreitungen überschattet.

Maskierte Herthafans zünden Union T-Shirts an.
Maskierte Herthafans zünden Union T-Shirts an.  © Andreas Gora/dpa

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer will dennoch auf Gespräche mit der aktiven Fanszene setzen. "Das ist eine beschissene Situation, aber keine Situation, die uns dazu bringt, den Dialog nicht fortzuführen", sagte der Vereinschef am Montagabend bei "Hertha im Dialog".

Ein Teil derer, die "Straftaten" begehen, dürfe nicht überlagern, was man gemeinsam versuche. Es gebe "keinen Zweifel, dass das der einzig richtige Weg ist", betonte Gegenbauer.

Der Unternehmer berichtete, dass bei den Leuchtraketenschüssen aus dem Gästeblock beinahe auch Hertha-Aufsichtsratsvorsitzender Torsten-Jörn Klein mit Kindern auf der Tribüne betroffen gewesen sei.

Nach der Partie hatte Union-Stürmer Sebastian Polter erzählt, dass er Angst um seine Familie gehabt habe und eine Rakete einen Meter neben seinen zwei Kindern und seiner Freundin eingeschlagen sei.

"Ich habe mich geschämt", sagte Herthas Ex-Stürmer Axel Kruse, der die Veranstaltung moderierte, über das Verhalten einiger Fans. "Das war peinlich."

Michael Preetz kritisiert Derby-Auftritt von Hertha BSC: "Viel zu wenig"

Eine Rakete landet mitten auf dem Spielfeld.
Eine Rakete landet mitten auf dem Spielfeld.  © Andreas Gora/dpa

Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte das Spiel für insgesamt fünf Minuten unterbrochen und beide Mannschaften zeitweise in den Kabinengang geschickt.

Nach dem Abpfiff hatten vermummte Zuschauer aus dem Union-Block versucht, auf den Platz zu stürmen, wurden aber von den eigenen Profis zurückgedrängt. Den beiden Vereinen drohen empfindliche Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund.

Die Situation erinnert ein wenig an die Fan-Ausschreitungen in Dortmund vor einem Jahr. Damals reagierte Hertha mit einer Kollektivstrafe. Spruchbänder, Banner, Blockfahnen und Doppelhalter waren in der Ostkurve verboten worden.

Die Berliner Fans wiederum reagierten im Heimspiel gegen RB Leipzig mit einem Stimmungsboykott, was eine fast schon gespenstische Atmosphäre im Olympiastadion zur Folge hatte.

Derweil beginnt die Aufarbeitung nach der enttäuschenden Leistung im Derby. Michael Preetz hat eine ausführliche Analyse des schwachen sportlichen Auftritts angekündigt und das Team für seine Leistung deutlich kritisiert. "Wir haben ein schlechtes Spiel gemacht, ohne Wenn und Aber über 90 Minuten", sagte der Sport-Geschäftsführer. Es sei "sehr, sehr ernüchternd" gewesen.

Als möglichen Grund nannte der frühere Stürmer, dass die Mannschaft von Trainer Ante Covic unter zu großem Druck verkrampft gewesen sein könnte. "Wir müssen uns hinterfragen, warum wir an dem Tag überhaupt nichts auf den Platz bringen konnten. Die Aufarbeitung mit dem Trainerteam läuft. Das war viel, viel zu wenig."

Durch die zweite Niederlage in Serie liegt Hertha im Tabellen-Mittelfeld nur noch einen Zähler vor dem Stadtrivalen Union.

Michael Preetz unterhält sich mit Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.
Michael Preetz unterhält sich mit Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.  © Soeren Stache/dpa

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