"Das ist eine Katastrophe": VAR verdirbt Klinsis Hertha-Debüt

Berlin - Hertha BSC und der Videobeweis werden in dieser Saison wohl keine Freunde mehr. Beim Debüt von Jürgen Klinsmann auf der Trainerbank kassierten die Berliner gegen Borussia Dortmund eine knappe 1:2-Niederlage - die fünte Pleite in Folge. In den Mittelpunkt rückte aber einmal mehr der Kölner Keller.

Jürgen Klinsmann hat sein erstes Spiel als Trainer von Hertha BSC verloren.
Jürgen Klinsmann hat sein erstes Spiel als Trainer von Hertha BSC verloren.

Dabei haben nach 20 Minuten wohl nur die kühnsten Hertha-Fans noch an ihre Mannschaft geglaubt. Die Borussen führten durch einen Doppelschlag von Sancho (15. Minute) und Hazard (17.) völlig verdient mit 2:0. Zagadou hätte beinah auf 3:0 erhöhen können.

Sechs Tage nach dem 0:4 in Augsburg und einen Trainerwechsel später drohte die nächste Klatsche. Doch im Fußball kann es manchmal schnell gehen. Kurz vor der Pause sprach auf einmal alles für Hertha BSC.

Mats Hummels ließ bei einem Konter gegen Davie Selke das Bein stehen und flog mit Gelb-Rot vom Platz (44.). Wenige Minuten zuvor hatte Darida den Hauptstadt-Klub wieder zurück ins Spiel gebracht.

Lukebakio zog aus rund 17 Metern, der Tscheche hielt seinen Fuß in die Schussbahn und veränderte entscheidend die Richtung des Balles - Hertha war wieder da.

"Meiner Meinung haben wir heute drei Punkte verdient gehabt", sagte Davie Selke nach dem Spiel. "Wir waren klar die bessere Mannschaft." Auch Klinsmann wollte trotz des missglückten Debüts seiner Elf keinen großen Vorwurf machen. "Ich bin generell zufrieden mit der Umsetzung der Punkte, die wir uns vorgenommen haben."

Hertha ärgert sich erneut über den Videobeweis

Schiedsrichter Sven Jablonski (r) schickt Mats Hummels (l) nach Foul an Davie Selke (m) vom Platz.
Schiedsrichter Sven Jablonski (r) schickt Mats Hummels (l) nach Foul an Davie Selke (m) vom Platz.  © Schiedsrichter Sven Jablonski

Dass es am Ende nicht für zumindest einen Punkt gereicht hat, lag an einer Millimeter-Entscheidung. Hertha kam mit viel Power aus der Kabine und belohnte sich nach 50 Minuten. Nach einem klasse Steckpass tauchte Selke frei vor Bürki auf und traf zum vermeintlichen 2:2.

Weil der Stürmer aber hauchzart im Abseits stand, schaltete sich der Kölner Video-Keller ein. Schiedsrichter Sven Jablonski nahm den Treffer schließlich wieder zurück.

"Ich habe mir die Szene nochmal angeschaut: Es ist eine Katastrophe. Kein Mensch hat dabei an Abseits gedacht. So viele Szenen sind in diesem Jahr durchgelaufen, die nicht überprüft worden sind. Das bringt uns um unseren verdienten Lohn", wetterte Selke.

Wie schon gegen Leipzig und Bremen, als Hertha ein klarer Elfmeter verweigert worden war, hadern die Berliner erneut mit dem Videobeweis. "Irgendwann reicht's auch. Erst mein Nasenbruch und jetzt kommt Davie", so ein verärgerter Niklas Stark. "Wenn man da eine klare Fehlentscheidung sieht, dann muss man das schonmal hinterfragen."

Hertha BSC zeigte sich unter Jürgen Klinsmann verbessert und rutscht auf Platz 16 ab

Berlins Marius Wolf und Dortmunds Raphael Guerreiro (r) im Zweikampf.
Berlins Marius Wolf und Dortmunds Raphael Guerreiro (r) im Zweikampf.  © Gregor Fischer/dpa

Es war den Herthanern anzumerken, dass sie raus aus der Krise wollen. Gegen vor allem in der ersten Hälfte starke Borussen präsentierten sich die Klinsmänner viel zweikampfstärker und kompakter als zuletzt.

Auch die Statistik spricht für die Alte Dame. Hertha gewann mehr Zweikämpfe (55%), hatte eine gute Passquote (85%), schoss 14 Mal aufs gegnerische Tor, der BVB nur sechsmal. Fakt ist aber auch: Den Hausherren fiel gegen dezimierte Dortmunder nicht viel ein. Es fehlte an Ideen und Lösungen gegen diszipliniert verteidigende Borussen.

Weil Kalou und Grujic die letzten Möglichkeiten in der Nachspielzeit vergaben, stand somit die fünfte Niederlage in Folge fest. Kurios: Schon beim letzten Aufeinandertreffen vor mehr als zehn Jahren konnte Lucien Favre, damals noch als Hertha-Trainer, gegen Jürgen Klinsmann mit 2:1 gewinnen.

Der neue Hertha-Trainer ist sich seiner heiklen Mission mit nur elf Punkten und dem Abrutschen auf Relegationsrang 16 bewusst. "Auf uns kommen sehr arbeitsreiche Wochen zu. Wir wollen bis Weihnachten noch so viele Punkte wie möglich holen. Es geht nur ein Schritt nach dem anderen."

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