Hertha BSC: Der ewige Lusti geht! Darum ist sein Abgang so schade

Berlin - Das Urgestein verlässt Berlin. Nach zwölf Jahren ist Schluss. Fabian Lustenberger kehrt im Sommer in seine Heimat zurück (TAG24 berichtete).

Fabian Lustenberger verlässt Hertha BSC im Sommer.
Fabian Lustenberger verlässt Hertha BSC im Sommer.  © DPA

Hertha verliert nicht nur seinen dienstältesten Profi, sondern auch eine Identifikationsfigur. Als Lustenberger 2007 aus Luzern nach Berlin wechselte, hätte wohl keiner damit gerechnet, dass der Schweizer mehr als ein Jahrzehnt für Hertha die Fußballschuhe schnüren wird.

Mit 19 Jahren wagte er den Schritt in die Bundesliga, fuhr mit der U-Bahn zum Training. Anfangs als "Bübchen" belächelt, entwickelte er sich zum Leistungsträger, war drei Jahre lang gar Kapitän.

"Es ist nicht einfach, nach einer so langen Zeit eine Änderung herbeizuführen", sagte der 30-Jährige zu seinem Abgang. "Meine Familie lebt seit anderthalb Jahren in der Schweiz. Mein Großer geht in die zweite Klasse, meine Jungs und die Kleine brauchen den Papa."

Lustenberger war im Sommer 2007 der erste Transfer auf Empfehlung des damaligen Hertha-Coaches Lucien Favre. Sechs Trainerwechsel später kickt der Schweizer noch immer in Berlin.

Mit Hertha hat Lustenberger viel erlebt, positives wie negatives. In Erinnerung wird ihm wohl die Beinah-Meisterschaft 2009 oder die beiden Aufstiege 2011 und 2013, aber auch die beiden Abstiege mit dem Skandal-Relegtionsspiel in Düsseldorf bleiben.

Ronny und Lustenberger bejubeln das 2:0 gegen Braunschweig.
Ronny und Lustenberger bejubeln das 2:0 gegen Braunschweig.  © DPA

"Er hat gute Leistungen gezeigt, er ist ein guter Mensch - er bleibt ein Herthaner!", sagte Pal Dardai. Insgesamt kommt der Defensivspezialist nun schon auf 294 Pflichtspielen für Hertha. Dass nicht noch mehr Einsätze in seiner Vita stehen, liegt auch an seinem Verletzungspech. Dreimal hat sich der Lockenkopf schon den Mittelfuß gebrochen.

Der große Künstler war er nie. Vielmehr ist Lustenberger ein Stratege, der die Lücken schließt. Das zeigt auch seine Torausbeute. In 207 Bundesligaspielen traf er dreimal. Doch wenn er traf, dann wunderschön: Sein Siegtreffer gegen den VfB Stuttgart (2015) wurde für das Tor des Monats nominiert. Mit dem Volley-Hammer gegen Alemannia Aachen (2011) schoss Herthas Defensivspezialist gar Herthas Tor des Jahres.

Wie schon in anderen Spielzeiten, galt der Schweizer auch in dieser Saison als Auslaufmodell. Am Ende spielte er doch - ob als Sechser oder als Innenverteidiger. Seit dem achten Spieltag hat er keine einzige Sekunde mehr verpasst. Sein großer Vorteil ist sicherlich seine Vielseitigkeit. Sogar im Tor machte der ewige Lusti eine mehr als passable Figur.

Als Keeper Marco Sejna beim Auswärtsspiel bei 1860 München die Rote Karte kassierte und Hertha das Wechselkontingent schon ausgeschöpft hatte, stellte sich Lustenberger zwischen die Pfosten und hielt den Kasten sauber.

Der Abgang ist nicht überraschend, hat Hertha doch erst mit Per Skjelbred verlängert, aber doch schade. Dass ein Spieler einem Verein so lange die Treue hält, ist gerade heute nicht selbstverständlich. Wenn Hertha am 18. Mai zum Saisonabschluss auf Bayer Leverkusen trifft, hat Lustenberger den Applaus der Ostkurve sicher. "Ich gehe mit erhobenen Hauptes im Sommer", so Herthas Nummer 28.

Mehr zum Thema Hertha BSC:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0