Anzeige gegen Dortmunder Polizisten fallen gelassen: Herthas Fanhilfe spricht von "handfestem Skandal!"

Berlin/Dortmund - Das Spiel zwischen dem BVB und Hertha BSC am 9. Spieltag gehört zweifelsohne zu den Negativ-Highlights der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Eine spannende, hochklassige Partie (2:2) wurde von unschönen Szenen im Gäste-Fanblock überschattet. Bei einem unverhältnismäßig harten Einsatzes der Dortmunder Polizei wurden zahlreiche Berliner Anhänger verletzt (TAG24 berichtete).

Auslöser der Krawalle: Herthas Ultra-Gruppierung zündete anlässlich des 15-jährigen Jubliäum Pyro im Dortmunder Gästeblock.
Auslöser der Krawalle: Herthas Ultra-Gruppierung zündete anlässlich des 15-jährigen Jubliäum Pyro im Dortmunder Gästeblock.  © DPA

Knapp acht Monate nach den Krawallen des Bundesligaspiels im Dortmunder Signal-Iduna Park läuft noch immer die polizeiliche und Fan-interne Nachbereitung der Vorkommnisse aus dem Gästeblock.

Während die Polizei wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs ermittelt, thematisiert der blau-weiße Anhang vor allem den gewaltsamen Beamten-Einsatz von Knüppeln und Reizgas.

Neben zahlreichen Anzeigen gegen Hertha-Fans hagelte es auch einige Ermittlungsverfahren gegen die Dortmunder Polizei, die nun zur Verwunderung der Fanhilfe Hertha B.S.C. aufgrund fehlender Ermittlungs-Gründe von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurden.

In einer Presseerklärung reagiert der blau-weiße Anhang dementsprechend erschüttert: "Die Einstellung des Ermittlungsverfahrens ist ein handfester Skandal."

Die Fanhilfe Hertha B.S.C. ist eine Abteilung des Fan-Verbandes "Förderkreis Ostkurve e.V." und unterstützt alle Hertha-Anhänger bei Fragen rund um die Themen Repression, Stadionverbot und Datenschutz.

Vor allem die Begründung der fehlenden Ermittlungs-Ansätze trifft auf wenig Verständnis, wie die Fanhilfe an einem Beispiel erläutert. "Ein durch Knüppelschläge der Polizei verursachter mehrfacher Bruch des Mittelhandknochens, 2 1/2 Monate Krankschreibung und heute noch Schmerzen bei der Arbeit reichen der Staatsanwaltschaft Dortmund nicht aus, um den eindeutigen Vorwürfen weiter nachzugehen."

Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange sprach nach dem Skandal-Spiel von einem Einsatz, der alle seine Ziele erreicht hatte.
Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange sprach nach dem Skandal-Spiel von einem Einsatz, der alle seine Ziele erreicht hatte.

Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange verkündete nach dem Skandal-Spiel auf einer eigens berufenen Pressekonferenz, die zur Aufklärung der Szenen im Gästeblock führen sollte: "Der Einsatz hat alle seine Ziele erreichen können."

Hintergrund des polizeilichen Eingreifens war die Sicherstellung eines Banners der Ultra-Gruppierung "Hauptstadtmafia '03", hinter der verbotene Pyro-Technik gezündet wurde.

Um weiteres Abbrennen zu verhindern, griff die Polizei ein und versuchte das Transparent der Fan-Gruppierung einzuziehen.

"Es ging um die Verhinderung von Straftaten." Der Rechtsstaat könne nicht zulassen, dass Ultras in Stadien ihre eigenen Regeln durchsetzen wollten, so Lange.

Die Fanhilfe erklärt jedoch, dass nicht mal das Zünden der bengalischen Fackeln Auslöser der Gewalt eines übermotivierten Polizisten war. Ein Beamter soll am äußersten Rand des Gästeblocks auf jene Fans eingeschlagen, die versucht hatten, ihre normalen, am Zaun hängenden Fahnen, abzuhängen.

Die Polizei setzte Reizgas ein, um den Anhang der Hertha in die Schranken zu weisen.
Die Polizei setzte Reizgas ein, um den Anhang der Hertha in die Schranken zu weisen.  © DPA

Bei aller Aufbereitung der Polizei hielt die Staatsanwaltschaft eine Befragung der Fan-Opfer nicht für notwendig.

"Ohne die betroffene Person angehört zu haben, soll die Polizeigewalt unter den Tisch gekehrt werden", so die Fanhilfe. "Um der ganzen Sache noch die Krone aufzusetzen, hat diese verletzte Person natürlich eine Gegenanzeige von der Polizei erhalten."

Wie Dortmunds Polizeisprecher Lange damals verkündete, nahm eine Ermittlungskommission die Suche nach möglichen Tätern wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs auf.

Für den Blau-weißen Anhang ist der Gerechtigkeits-Kampf jedoch noch nicht beendet: "Wir werden diese Zustände im Sinne der verletzten Herthaner nicht tatenlos hinnehmen und alle Betroffenen weiter unterstützen."

Herthas Fanhilfe resümiert: "Dieser Fall zeigt wieder einmal, wie ungenügend und mit welcher Oberflächlichkeit, Anzeigen gegen Polizeibeamte verfolgt und bearbeitet werden."

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