Nach Rassismus-Vorwurf von Hertha-Profi Torunarigha: Jetzt spricht Schalkes Tönnies

Gelsenkirchen - Nach dem Rassismus-Vorwurf beim Pokal-Spiel zwischen den Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 und Hertha BSC, hat sich S04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dem Vereinsstatement angeschlossen.

Herthas Jordan Torunarigha soll während des Pokalspiels gegen den FC Schalke 04 rassistisch beleidigt worden sein. Jetzt äußert sich S04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.
Herthas Jordan Torunarigha soll während des Pokalspiels gegen den FC Schalke 04 rassistisch beleidigt worden sein. Jetzt äußert sich S04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.  © dpa/Rolf Vennenbernd, Bernd Thissen

Vorstand und Trainer hätten es absolut treffend formuliert. Auch das Statement des Vereins könne er nur unterstreichen, sagte der 63-Jährige der "Bild"-Zeitung (Donnerstag). "Wir werden alles daransetzen, die Angelegenheit aufzuklären."

Im Pokal-Achtelfinale am Dienstag sollen Schalke-Fans unter anderem Affenlaute in Richtung des Hertha-Profis Jordan Torunarigha gerufen haben. Schalke hatte in einem Vereinsstatement bekräftigt, die Aussagen des Spielers hinsichtlich "rassistischer Aussagen und Laute gegen ihn" sehr ernst zu nehmen und den Fall gemeinsam mit unter anderem der Polizei zu überprüfen.

Die DFB-Ethikkommission hatte Aussagen von Tönnies, die er im Juli über Afrika gemacht hatte, als rassistisch gewertet.

Der Schalker Ehrenrat hatte darufhin beschlossen, dass der Fleisch-Unternehmer für drei Monate sein Amt nicht ausüben darf. Nach seiner Rückkehr hatte Tönnies seine Äußerungen als "Fehler" bezeichnet.

Selke und Boateng-Brüder solidarisieren sich mit Torunarigha

Sein früherer Teamkollege Davie Selke solidarisiert sich mit Torunarigha.
Sein früherer Teamkollege Davie Selke solidarisiert sich mit Torunarigha.  © dpa/Carmen Jaspersen

Nach den Rassismus-Vorwürfen haben sich weitere Profis mit Torunarigha solidarisiert. "Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism", schrieb sein früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt, in der Nacht zu Donnerstag bei Instagram.

Zahlreiche weitere Profis hatten Torunarigha in sozialen Netzwerken unterstützt. "Hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland 2020 möglich ist! Bin fassungslos!", schrieb Bayern Münchens Jérôme Boateng bei Twitter.

"#F%** Racism I am with you my man" (Ich bin bei dir), teilte dessen älterer Bruder Kevin-Prince mit. "Wenn Engstirnigkeit nur mit geschlossenen Mündern einhergehen würde...!"

Kevin-Prince Boateng war in seiner Karriere schon mehrfach Ziel von Rassismus durch Zuschauer gewesen und setzt sich aktiv gegen Hass und Intoleranz ein.

Schiedsrichter Harm Osmers zeigte Jordan Torunarigha (r.) die gelb-rote Karte.
Schiedsrichter Harm Osmers zeigte Jordan Torunarigha (r.) die gelb-rote Karte.  © dpa/Rolf Vennenbernd

Update, 11.25 Uhr:

Nach dem Rassismus-Vorwurf ermittelt jetzt auch die Polizei Gelsenkirchen. "Wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Im Pokal-Achtelfinale am Dienstag soll der Berliner Jordan Torunarigha laut Aussagen der Gäste mehrfach rassistisch beleidigt worden sein.

Es gehe um den Anfangsverdacht der Beleidigung, sagte der Polizeisprecher. Was während des Spiels konkret vorgefallen ist, sei Gegenstand der Ermittlungen. Eine Anzeige des Berliner Spielers liege der Polizei nicht vor.

Update, 11.45 Uhr:

Der Fußball-Weltverband FIFA hat grundsätzlich die Notwendigkeit zum Kampf gegen Diskriminierung betont. Man habe Mitgliedsverbände, Ligen und Clubs aufgefordert, "ein ähnliches Verfahren wie die FIFA und eine Null-Toleranz-Politik für alle Formen von Diskriminierung im Fußball anzuwenden und scharfe Sanktionen für jede Art solchen Verhaltens auszusprechen", teilte der Weltverband am Donnerstag auf Anfrage mit. Zum konkreten Fall im DFB-Pokal äußerte sich die FIFA wie auch der Europäische Fußball-Union UEFA zunächst nicht.

Schiri-Leiter Peter Sippel hatte bereits eine Erklärung dazu abgegeben, warum es nach der Meldung des Vorfalls zu keiner Stadiondurchsage kam.
Schiri-Leiter Peter Sippel hatte bereits eine Erklärung dazu abgegeben, warum es nach der Meldung des Vorfalls zu keiner Stadiondurchsage kam.  © DPA/Arne Dedert

Die FIFA verwies auf einen am 25. Juli verschickten Brief, in dem die Maßnahmen dargelegt wurden, um Rassismus zu verhindern.

In einem dreistufigen Verfahren soll der Schiedsrichter bei derartigen Vorfällen das Spiel zunächst unterbrechen und die Zuschauer per Stadiondurchsage auffordern, mit dem diskriminierenden Verhalten aufzuhören. Sollte sich das Verhalten indes wiederholen, kann ein Spiel auch abgebrochen werden.

Nach dem Achtelfinale des DFB-Pokals am Dienstagabend hatte der DFB-Kontrollausschuss am Mittwoch eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. Nach Angaben von Hertha BSC war unter anderem Schiedsrichter Harm Osmers durch Geschäftsführer Michael Preetz nach der regulären Spielzeit auf die Vorfälle aufmerksam gemacht worden.

Eine Stadiondurchsage gab es jedoch nicht. Peter Sippel, beim DFB als Leiter Training und Qualifizierung der Schiedsrichter tätig, sagte "sportschau.de", dass bei einer Durchsage "der Kontext nicht mehr herzustellen gewesen" sei, da sich der Vorfall laut Osmers rund um die 70. Minute ereignet habe.

Update, 18.06 Uhr:

Der FC Schalke 04 hat angekündigt, Kamera- und Tonaufnahmen aus dem Achtelfinalspiel des DFB-Pokal gegen Hertha BSC intensiv zu sichten. "In einer Stellungnahme an den DFB-Kontrollausschuss hat Hertha BSC mitgeteilt, dass sich der Vorfall in der 84. Minute vor der Schalker Südkurve rund um den Block S5 ereignet hat", teilte der FC Schalke 04 am Donnerstag mit.

Der Fußball-Bundesligist bat "alle Besucher, die das Spiel aus der Südkurve verfolgt und rassistische Aussagen und Laute vernommen haben, sich zu melden".

Zugleich entschuldigte sich der Club noch einmal "aufrichtig und in aller Form bei Jordan Torunarigha und Hertha BSC und wird die Darstellung des Spielers vor dem DFB-Sportgericht in keiner Weise anzweifeln".

Der Verein verurteile einen derartigen Vorfall und hoffe, "die feigen Täter werden ermittelt".

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