Meine Meinung: Klinsmann entlarvt sich selbst, Hertha ist ihm scheißegal!

Berlin - Als müssten Hertha-Fans gerade nicht genug durchmachen. Ihre Mannschaft gab am Wochenende ein katastrophales Bild ab, verlor sang- und klanglos mit 0:5 gegen den 1. FC Köln. Gerade als man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, taucht in der "Sport Bild" das "geheime Tagebuch" von Jürgen Klinsmann auf.

Jürgen Klinsmann sorgte mit seinem Protokoll für ordentlich Wirbel.
Jürgen Klinsmann sorgte mit seinem Protokoll für ordentlich Wirbel.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Auf 22 Seiten rechnet der ehemalige Bundestrainer mit den Verantwortlichen von Hertha BSC ab. Ein einmaliger Vorgang in der Fußball-Bundesliga.

Klinsmann schreibt von einer "Lügenkultur", von einer Mannschaft, die vor seiner Übernahme in einem "katastrophalen Zustand" gewesen sei, die ohne die Entlassung von Ante Covic auf dem Weg in zweite Liga gewesen wäre, "weil Hertha auf diese Situation gar nicht vorbereitet ist."

Vor allem Manager Michael Preetz bekam sein Fett weg - aber auch die Spieler. So heißt es beispielsweise über Salomon Kalou (34) "Zu alt und satt, kein Mehrwert" oder über Alexander Esswein (29) "nicht gut genug."

Bemerkenswert: Schließlich wurde Klinsmann bei seinen Facebook-Live-Sitzungen nicht müde zu betonen, wie wichtig der Ivorer für die Mannschaft sei - auch in der Kabine. Als Dank durfte Kalou zwischenzeitlich nicht mal mehr mit dem Team trainieren.

Nicht nur, dass der Ex-Bundestrainer nach gerade mal zehn Spielen und 76 Tagen seine Mannschaft, die auf seinen Wunsch mit millionenschweren Neuzugängen verstärkt worden war, mitten im Abstiegskampf verlässt, müssen die Spieler nun aus den Medien erfahren, was ihr Ex-Trainer von ihnen hält: nämlich nichts.

Jürgen Klinsmann schadet sich selbst und Hertha BSC

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Michael Preetz stellt Jürgen Klinsmann als neuen Trainer vor.
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Michael Preetz stellt Jürgen Klinsmann als neuen Trainer vor.  © Andreas Gora/dpa

Eines sucht man auf den 22 Seiten allerdings vergeblich: Selbstreflexion. Schuld sind nur die anderen.

Die Art und Weise zeigt allerdings wieder einmal: Klinsmann geht es nicht um Hertha BSC, sondern nur um sich selbst. Er, der große Reformer, der den Traditionsverein mir nichts, dir nichts zum "Big City Club" macht, wären da nicht Michael Preetz und Werner Gegenbauer.

Was Hertha angesichts des katastrophalen 0:5 gegen Köln und der prekären Tabellensituation am wenigsten gebrauchen kann, ist weitere Unruhe. Doch das ist Klinsmann offenbar egal. Er tritt noch einmal nach.

Spätestens jetzt nimmt ihm das Gerede von seiner emotionalen Verbundenheit zum Hauptstadt-Klub keiner mehr ab. Genauso wenig, wie dass das Protokoll "geleakt" worden sein soll und dann rein zufällig bei der Sport Bild gelandet ist. Klinsmann wird die Aufzeichnungen - anders als seine Trainerlizenz - wohl kaum in einer Schublade vergessen haben. Da nützt auch das "HaHoHe, Euer Jürgen" in seiner Rücktrittserklärung nichts mehr.

Das absolute Highlight bleibt allerdings der Vorwurf, dass der Verein dem gesamten Trainerstab keinerlei Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten habe. In Berlin herrscht zwar Wohnungsnot, doch ein 55-jähriger Millionär sollte keine Probleme haben, eine passende Bleibe zu finden. Wer hätte gedacht, dass Klinsi nach seiner fast schon legendären und absurden Facebook-Live-Erklärung (auch hier keine Spur von Selbstkritik) noch einmal einen draufsetzen kann?

Auch wenn Klinsmann in gewissen Punkten recht haben mag, hat er sich mit seiner Abrechnung am Ende nur selbst geschadet. In der Bundesliga wird der bei Bayern und Hertha gescheiterte Trainer keinen Job mehr bekommen. Dafür hat er selbst gesorgt.

TAG24-Redakteur Johannes Kohlstedt.
TAG24-Redakteur Johannes Kohlstedt.  © privat

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